Iran

Präsentiert die Atomenenergiebhörde Beweise für Irans Atombombe?

Präsident Achmadineschad besucht 2008 die Atomanlage in Natans. key

Präsident Achmadineschad besucht 2008 die Atomanlage in Natans. key

«Der November ist Iran-Monat», prognostizierte der amerikanische Nuklear-Experte Jim Cirincione am Wochenende gegenüber dem Sender MSNBC. Und tatsächlich spitzt sich in diesem Monat der langjährige Konflikt um das iranische Atomprogramm zu.

In ein paar Tagen wird die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien einen neuen Bericht vorlegen zum Stand des iranischen Nuklearprogramms.

Ein grosser Stahlcontainer

Die Nachrichtenagentur AP hat aus Diplomatenkreisen erfahren, dass der Bericht von IAEA-Chef Yukiya Amano einen rund 12-seitigen Anhang mit neuen Beweisen für die Existenz eines Atomwaffenprogramms enthalte. Bisher unveröffentlichtes Geheimdienstmaterial solle unter anderem Hinweise darauf enthalten, dass Iran ein Computermodell eines Atomsprengkopfs entwickelt habe.

Auf Satellitenbildern sei zudem auf dem Militärstützpunkt in Parchin ein Stahlcontainer von der Grösse eines Busses zu sehen, der für Experimente eines Atombombenprogramms verwendet worden sei.

Der neue IAEA-Bericht dürfte den Druck des Westens nach einer weiteren Verschärfung der internationalen Sanktionen gegenüber Iran erhöhen. Zum Beispiel könnte auch die iranische Zentralbank mit Sanktionen belegt werden.

US-Präsident Barack Obama versprach am Rande des G-20-Gipfels in Cannes vor vier Tagen, der Westen müsse den Druck auf Iran aufrechterhalten. Seit 2006 hat der UNO-Sicherheitsrat vier Sanktionsrunden abgesegnet, doch China und Russland haben zuletzt klargemacht, dass sie zusätzliche Iran-Sanktionen in der UNO mit einem Veto verhindern werden.

Israelisches Säbelrasseln

Israel droht weiterhin unverhohlen mit Krieg. Eine militärische Lösung der verfahrenen Situation um das iranische Atomprogramm sei wahrscheinlicher als eine diplomatische Lösung, drohte Präsident Schimon Peres am Freitag. Premier Benjamin Netanjahu sucht laut israelischen Medienberichten in diesen Tagen nach einer Mehrheit in seinem Kabinett, um einen präemptiven Militärschlag gegen die iranischen Atomanlagen durchzuführen. Schon im November 2006 hatte Netanjahu die iranische Bedrohung öffentlich mit den Nazis verglichen. «Das Jahr ist 1938 und Iran ist Deutschland», so Netanjahu.

Israels Geheimdienst- und Militärchefs sind gegen das Iran-Abenteuer. Der Ex-Mossad-Chef Meir Dagan bezeichnete einen Angriff auf Iran als «dumme Idee». Und Ephraim Halevi, ebenfalls ein einflussreicher Chefspion, sagte am Wochenende: «Ein Angriff auf Iran würde nicht nur Israel, sondern die ganze Region für die nächsten 100 Jahre betreffen.» Halevi stritt ab, dass Iran für Israel eine «existenzielle Bedrohung» bedeute.

Experten bleiben ruhig

Atomexperten betonen unisono, das iranische Nuklearprogramm sei in den letzten fünf Jahren entscheidend geschwächt worden durch die harten Sanktionen, aber auch durch Sabotageakte wie den Stuxnet-Wurm, welcher Zentrifugen unschädlich gemacht hat. «Die Sanktionen greifen», betont Jim Cirincione. «Statt Kriegsrhetorik sollte der wirtschaftliche Druck auf Iran erhöht werden.»

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