Es war ein emotionaler Appell, den Präsident Petro Poroschenko an das amerikanische Parlament richtete: Drei Monate nach seinem Amtsantritt rief der ukrainische Staatschef die anwesenden Abgeordneten im Versammlungssaal des Repräsentantenhauses dazu auf, seiner Heimat in der Auseinandersetzung mit Russland beizustehen.

Denn was sich in der Ukraine derzeit abspiele, komme einem «Kampf für Freiheit und Demokratie» gleich – einem Kampf um Werte also, die Amerika traditionellerweise hochhalte.

Mit Lippenbekenntnissen sei es nun aber nicht mehr getan, sagte ein emotional wirkender Poroschenko. Vielmehr müsse Washington der Ukraine zu Hilfe eilen.

Der Präsident forderte sicherheitspolitische Beistandsgarantien, eine Verschärfung der Sanktionen gegen Moskau und die Lieferung von Waffen an Kiew. «Dies ist auch Amerikas Krieg. Es ist ein Krieg um die freie Welt», sagte Poroschenko. Amerika müsse deshalb die Führung übernehmen und Russland in die Schranken weisen.

Er deutete an, dass Russlands Präsident Wladimir Putin sich nicht mit der Besetzung der Ukraine zufrieden geben werde, sondern auch die territoriale Integrität weiterer mitteleuropäischer Nationen bedrohe.

Stehende Ovationen

Der ukrainische Präsident sprach rund 50 Minuten lang, in englischer Sprache mit starkem Akzent. Mehrere Male wurde der 48-Jährige von stehenden Ovationen unterbrochen, vor allem wenn er über die «Solidarität und Einigkeit» zwischen Amerika und der Ukraine sprach.

Poroschenko, ein ehemaliger Oligarch mit Milliarden-Vermögen, nannte die Gelegenheit, vor beiden Kammern des US-Parlaments zu sprechen, eine «Ehre für die Menschen der Ukraine».

In der Tat haben seit 1874 bloss 114 ausländische Politiker vor dem Senat und dem Repräsentantenhaus das Wort ergriffen – darunter, im Jahr 2005, der damalige ukrainische Präsident Wiktor Juschtschenko.

Nach diesem emotionalen Auftritt im Kongress folgte eine Visite im Weissen Haus, wo Poroschenko mit Präsident Barack Obama, Vizepräsident Joe Biden und Aussenminister John Kerry im Oval Office zusammentraf.

Bereits im Vorfeld hatte die Regierung Obama aber bekannt gegeben, dass sie die ukrainische Regierung mit weiteren 53 Millionen Dollar unterstützen wolle. Damit beläuft sich die amerikanische Unterstützung an Kiew nun auf 291 Millionen Dollar; dieser Betrag umfasst auch militärische Geräte und Ausrüstungsgegenstände. Die Lieferung von Waffen an die Streitkräfte des osteuropäischen Staates allerdings sei gemäss Obama-Sprecher Josh Earnest nicht vorgesehen.

In den Augen Washingtons sei es aber besser, die Differenzen zwischen der Ukraine und den Separatisten, die von Russland unterstützt würden, auf diplomatischem Weg zu lösen. «Dieser Konflikt wird nicht auf dem Schlachtfeld gewonnen», sagte Earnest. Poroschenko ist da anderer Meinung.