"Die Situation ist erschreckend: Gestapelte, schlecht aufgebahrte Leichen. Es fällt sogar schwer zu erzählen, was wir dort vorgefunden haben", sagte Staatsanwältin Ana Cristina Huth Macedo.

Einige der Leichen befänden sich schon seit vier Jahren in den Kühlzellen des Universitätsspitals, 15 seien noch nicht identifiziert. Dies solle nun mit Hilfe von DNA-Tests geschehen. "Ich hoffe, den Fall mit einer würdigen Bestattung aller Leichen abschliessen zu können", sagte Huth Macedo.

Die Aufdeckung des Skandals geht den Berichten zufolge auf das Spital selbst zurück: Im August 2012 sei dort ein Frühchen gestorben, das eine Drogenabhängige aus einer Favela zur Welt gebracht hatte.

Da die Frau danach später spurlos verschwand, benachrichtigten die Ärzte das zuständige Gericht. Als sich herausstellte, dass das Baby nicht beigesetzt worden war, ordnete die Richterin eine Ermittlung an.

"Wir haben es mit einem gesellschaftlichen Problem zu tun. Die Menschen holen die Leichen ihrer Kinder nicht ab", erklärte Klinikdirektor Rodolfo Acatuassú Nunes.

Er habe aber auch selbst Fehler eingeräumt, hiess es. Das Spital, das als Referenzzentrum für Hochrisikoschwangerschaften in der Millionenmetropole Rio gilt, will nun seine Vorschriften verbessern.