USA - Polen

Polen feiert und bejubelt US-Präsident Trump

Begeisterte Polen empfangen Donald Trump in Warschau.

Begeisterte Polen empfangen Donald Trump in Warschau.

«Donald, Donald!» Trump distanziert sich bei einem Besuch in Warschau vor dem G20-Gipfel von Russland, während ihn sein Gastgeberland feiert.

Auf diesen Propaganda-Erfolg hatte Jarososlaw Kaczynski lange gewartet. «Donald! Donald!», skandierten seine Anhänger frenetisch auf dem Warschauer Krasiński-Platz, kaum war die schwarze Limousine des US-Präsidenten angefahren. Hunderte von Anhängern der Kaczynski-Partei waren über Nacht vor das Denkmal des Warschauer Aufstandes von 1944 gekarrt worden. Die ganze Regierung und Parteispitze hatte sich in den Ehrenrängen versammelt, um den Worten Donald Trumps zu lauschen.

Balsam in Zeiten der Krise

«Amerika liebt Polen, es liebt die Polen, wir danken euch!», begann dieser mit einer reichlichen Ladung Balsam für die geschändete polnische Seele. Unter der von Kaczynski eingesetzten Regierungschefin Beata Szydlo erlebt das Land gerade seine grösste europäische Bedeutungskrise seit der Wende von 1989. In der EU ist Polen mit seiner Weigerung, Rechtsstaatlichkeit und Beitrittsverträge zu achten, zum Buhmann geworden. Donald Trump allerdings wusste genau, dass er hier vor dem schwierigen G-20-Treffen mit offenen Armen empfangen werden wird.

Die Rede am Denkmal für den Warschauer Aufstand (1944) ist deshalb eine geniale Entscheidung, auch wenn sie Proteste der jüdischen Gemeinde provoziert hat. Trump ist nämlich seit über 30 Jahren der erste US-Präsident, der keine Zeit für eine Kranzniederlegung beim Denkmal des Warschauer Gettoaufstandes von 1943 gefunden hat. Um einen Skandal zu vermeiden, begab sich Ivanka Trump während der Rede ihres Vaters zum Denkmal und danach ins Jüdische Museum «Polin».

Derweil fand Trump die Worte, die die versammelten Regierungsanhänger hören wollten. «Es ist für mich eine grosse Ehre, hier vor diesem Denkmal zu stehen und sich an jene Polen zu wenden, die über Generationen von einem sicheren, starken und freien Polen geträumt hatten», sagte Trump.

Dann der erste Ausrutscher. Trump dankt dem ebenso anwesenden Lech Walesa – und ein Buhen geht durch die Menge. Trump ist sichtlich erstaunt. Offensichtlich hatte ihn niemand darüber aufgeklärt, dass der in den USA populäre Pole von der heutigen Regierung als Geheimdienst-Spitzel diffamiert wird.

Doch Trump lässt sich nicht beirren. Hatte er am Vormittag bei der Pressekonferenz noch einen verschlafenen Eindruck hinterlassen, so läuft er jetzt auf dem sonnigen Krasinski-Platz zur Höchstform auf. «In Polen erkennen wir die Seele Europas», leitet Trump zu Betrachtungen über die angebliche Gottesfürchtigkeit von Polen und Amerikanern über. Er verweist auf den (polnischen) Papst Johannes-Paul II. «Polen, Amerikaner und Europäer rufen ‹Wir wollen Gott!›», sagt Trump und erntet brausenden Applaus. Diese Nachricht gefällt den aus allen Landesteilen herangekarrten Kaczynski-Anhängern: Polen – das ist Europa.

Beistandspflicht bestätigt

«Die Gefahr für unsere Sicherheit ist gross; wir müssen unsere Grenzen vor dem Terrorismus und Extremismus verschliessen», sagt Trump und klingt wie Kaczynski. Ein Seitenhieb auf den Kreml noch, der sich diesem Kampf doch ebenfalls anschliessen solle, statt die Ukraine zu destabilisieren, und schon ist Trump wieder in Fahrt. Wie erwartet, bekennt sich der Amerikaner zur Beistandspflicht der Nato, spricht vom Geld und den Rüstungshaushalten und lobt Polen schliesslich für den gerade beschlossen Kauf von amerikanischen Patriot-Raketen.

Von Russland distanzierte sich Trump, indem er Moskau ein «destabilisierendes Verhalten» in Syrien und der Ukraine sowie einen möglichen Hackerangriff während des US-Wahlkampfes vorwarf. «Unsere Zusammenarbeit mit Polen ist eine Antwort auf die russischen Aktivitäten und sein destabilisierendes Verhalten», sagte er bereits am Vormittag. Auf die Kontakte seines eigenen Wahlstabes mit hohen russischen Diplomaten ging Trump nicht ein.

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