Die US-Justiz hatte von Polen eine Auslieferung Polanskis wegen eines Sexualverbrechens in den Siebzigerjahren beantragt. In der mündlichen Urteilsbegründung ging Richter Dariusz Mazur mit seinen amerikanischen Kollegen kritisch ins Gericht. Bei der Entscheidung seien zudem Polanskis Alter und die lange Zeit seit dem ihm vorgeworfenen Verbrechen berücksichtigt worden.

Mazur wies auf die Einigung hin, die Polanski in den Siebzigerjahren mit der US-Staatsanwaltschaft geschlossen hatte, als er Sex mit einer damals 13-Jährigen zugegeben hatte. Die Anwälte des Regisseurs hatten in dem Verfahren betont, dass Polanski seinen Teil der Vereinbarung eingehalten und freiwillig eine Gefängnisstrafe verbüsst habe.

Auch das Gericht schloss sich dieser Ansicht an. Das Auslieferungsgesuch sei deshalb unzulässig, hiess es in der Urteilsbegründung. Zudem habe der US-Richter die Rechte Polanskis verletzt, als er ungeachtet der verbüssten Strafe die Einigung zum Nachteil des Regisseurs ändern wollte.

Staatsanwaltschaft kann Berufung einlegen

Bei der Urteilsverkündung war Polanski nicht im Gerichtssaal anwesend. Nach Angaben seiner Anwälte war die Situation im Gericht für ihn "emotional zu belastend". Sie stellten aber in Aussicht, dass Polanski sich noch am Freitag zu dem Urteil äussern wollte.

Die Staatsanwaltschaft kann noch Berufung bei einer höheren Instanz gegen das Urteil einlegen. Das Krakauer Gericht hatte sich seit Februar mit dem Auslieferungsantrag befasst.

Der 82-jährige Regisseur ("Der Pianist", "Rosemarys Baby") besitzt die polnische und die französische Staatsbürgerschaft. Polanski, der als Kind in Krakau den Holocaust überlebt hatte, hat seit mehreren Jahren einen Wohnsitz in der südpolnischen Stadt.

Polens Justizminister Borys Budka hatte davor gewarnt, den Fall Polanski voreilig zu kommentieren. Mehrere Politiker der Nationalkonservativen, die am Sonntag die Parlamentswahl gewonnen hatten, hatten sich gegen eine "Schonung" Polanskis wegen seines Prominentenstatus ausgesprochen.

NEU: watson Content Box (JSON Feed)