Michel Blanquer wusste, dass er in ein Wespennest stechen würde. Der seriöse, eher konservative Bildungsminister meinte diese Woche sehr vorsichtig, dass Arabisch eine «prestigereiche literarische Zivilisationssprache» sei und an den französischen Schulen wie Russisch oder Chinesisch gefördert werden müsse, am besten schon ab der Primarschule.

Auch wenn in Frankreich schätzungsweise fünf Millionen Maghrebiner leben, fristet das Arabische an den französischen Schulen ein sehr stiefmütterliches Dasein. Es wird zwar seit 1977 angeboten, wird aber von aussenstehenden, meist ausländischen Lehrern gelehrt, die von Ländern wie Marokko oder Tunesien gestellt werden. Die Idee dahinter war ursprünglich, Kindern von immigrierten Saisonarbeitern die Rückkehr in ihr Herkunftsland zu erleichtern. Heute ist dieses Motiv nicht mehr aktuell. An den Grundschulen lernen nur noch 567 Kinder Arabisch, an der Mittelschule deren 11 200, was bloss einem Anteil von 0,2 Prozent entspricht.

Entrüstungssturm in Paris

Blanquer meinte in dem Radiointerview sehr diplomatisch, er wolle den Arabisch-Unterricht auch entwickeln, um «dem Missbrauch durch einzelne Gemeinschaften» vorzubeugen. Klarer ausgedrückt hatte sich zuvor ein Bericht des liberalen Institutes Montaigne: Es regt die Verstärkung des Arabisch-Unterrichts an den öffentlichen Schulen an, «weil die Arabisch-Stunden für die Islamisten ein probates Mittel geworden sind, um Jugendliche in ihre Moscheen und Privatschulen locken». Ferner sei es wichtig, dass Frankreich mit seinen Beziehungen zur arabischen Welt auch Geschäftsleuten die entsprechenden Sprachkenntnisse vermittle, schreibt der wirtschaftsnahe Thinktank, auf den sich Blanquer bezog.

So unpräzis die Ankündigung des Ministers war, bewirkte sie in Paris umgehend einen Entrüstungssturm. Die Regierung von Präsident Emmanuel Macron wolle die Grundschüler Arabisch lehren, statt ihnen korrektes Französisch beizubringen, monierte Laurence Sailliet von den konservativen Republikanern. Ihr Parteifreund, der ehemalige Bildungsminister Luc Ferry, fragte voller Sarkasmus, ob es darum gehe, «den Islamismus zu bekämpfen – oder ihn an die Schule zu holen». Der Rechtsaussen Nicolas Dupont-Aignan befürchtet die «Arabisierung Frankreichs».

Diese Ansicht beruhe eher auf Ängsten als auf Fakten, entgegnete der ehemalige Chefredaktor der Linkszeitung «Libération», Laurent Joffrin: «In Wirklichkeit findet keine Arabisierung Frankreichs statt, sondern eine Franzisierung der Araber.» Denn die allermeisten maghrebstämmigen Familien seien erpicht, dass ihre Sprösslinge gut Französisch lernen.

Wachsender Zuspruch

Tatsache ist auch, dass der Arabisch-Unterricht in französischen Moscheen und Privatschulen auf wachsenden Zuspruch stösst. «Die Eltern ziehen es vor, dass ihre Kinder die Sprache des Koran von einem Imam lernen», meinte die Geschichts- und Geografielehrerin Barbara Lefebvre in einem öffentlichen Beitrag. Die Moscheen seien zwar meist nicht islamistisch ausgerichtet, sondern im Gegenteil dem klassischen Islam verpflichtet. Hingegen zeuge es von einem Versagen der Staatsschule, wenn Einwandererfamilien auf deren Sprachangebote verzichteten. Blanquer räumte ein, dass sich der Arabisch-Unterricht in Frankreich «entwickeln» müsse. Deutlich wurde er an die Adresse seiner Kritiker: «Ich habe nie gesagt, dass das Arabische in der Primarschule obligatorisch werden sollte», stellte er klar. «Aber wir haben alles Interesse daran, den Sprachunterricht vom religiösen Fundamentalismus zu trennen.»