Israels Luftwaffe trainiert am Himmel über Sardinien das Tanken in der Luft sowie die Navigation in fremden Gefilden. An der Küste vor einem Kibbuz wird eine ballistische Rakete zu Probezwecken abgeschossen. All das habe nichts mit Iran zu tun, hiess es.

Doch Tatsache ist, dass Premier Benjamin Netanjahu um eine Mehrheit im Kabinett ringt für den Präventivschlag gegen die Atommacht Iran. Einer gestern von «Haaretz» veröffentlichten Umfrage zufolge, hätte der Regierungschef dafür eine Mehrheit des Volkes schon hinter sich. 41 Prozent unterstützen einen Angriff, 39 Prozent sind dagegen.

In Jerusalem streiten sich die Politiker in diesen Tagen weniger über das Für und Wider eines Angriffs als darüber, wer an die Presse durchsickern liess, dass es überhaupt dazu kommen könnte. Die Möglichkeit steht seit Jahren im Raum. Schon der frühere Premier Ehud Olmert hatte Teheran vor einer Fortsetzung des Atomprogramms gewarnt und andernfalls einen Erstschlag signalisiert, ähnlich wie später Ex-Verteidigungsminister Schaul Mofas.

Medienrummel vor Atombericht

Das Regierungsdilemma wäre vermutlich nicht an die Öffentlichkeit gekommen, hätte man das ernsthaft zu vermeiden versucht. Die kriegerischen Signale, so vermutet Amos Harel von «Haaretz», gelten «nicht dem heimischen Publikum, sondern Wien und New York, London und Washington». Harel bringt den Medienrummel mit dem Bericht der Internationalen Atomenergieorganisation über das iranische Atomforschungsprogramm in Verbindung, der nächste Woche veröffentlicht werden soll und der hoffentlich Aufschluss über die Menge des angereicherten Uraniums geben wird und darüber, ob mit Sprengköpfen experimentiert wird.

Oppositionsführerin Zipi Livni appellierte zum Auftakt der parlamentarischen Wintersaison diese Woche an die Minister, den Chefs der Sicherheitsdienste zuzuhören. Während Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak für einen Angriff stehen, treten Armee- und Mossad-Chef vorläufig auf die Bremse. Selbst der für seine harte Hand berüchtigte frühere Geheimdienstchef Meir Dagan nannte den möglichen Präventivschlag eine «dumme Idee».

Berichten des Londoner «Guardian» zufolge bereiten sich auch die britischen Truppen auf einen Angriff auf iranische Atomaranlagen vor. Die Zeitung berichtet, dass es «Teheran bis Ende 2012» schaffen werde, die Anlagen im Bunker zu verstecken, was wiederum «US-Präsident Barack Obama dazu zwingen könnte, noch vor den Wahlen über einen Militärschlag zu entscheiden».

Israels offizielle Position war stets, zunächst den Sanktionen eine Chance zu geben. Der Mossad steht vermutlich hinter dem Computerwurm Stuxnet, der Ende 2010 grosse Teile einer iranischen Atomanlage lahmlegte. In den letzten Jahren sind zudem mehrere iranische Atomforscher zu Tode gekommen, was indes, wenn überhaupt, nicht allein auf das Konto israelischer Geheimdienste gehen dürfte.