Nordkorea

Pjöngjangs langer Aufstieg zur Atommacht

Atomreaktor von Yongbyon: 2008 wurde die Anlage gesprengt. KEY

Atomreaktor von Yongbyon: 2008 wurde die Anlage gesprengt. KEY

Pjöngjang will seine 2007 geschlossene Atomanlage Yongbyon wieder in Betrieb nehmen. Das Regime rückt seinem Ziel, eine Atommacht zu werden, immer näher. Der Grundstein dazu wurde von

Eins muss man lassen: Nordkoreas Propagandamaschinerie ist jeden Tag aufs Neue für eine Überraschung gut. Nach Kriegserklärung gegen Südkorea und Aufkündigung sämtlicher Vereinbarungen kündigte das Regime in Pjöngjang diese Woche an, seinen Atomkomplex Yongbyon wieder in Betrieb zu nehmen. Sämtliche Anlagen sollen «angepasst und neu gestartet» werden, hiess es in staatlichen Medien.

Auf dem Gelände von Yongbyon, rund 100 Kilometer nördlich von Pjöngjang, befinden sich ein Fünf-Megawatt-Reaktor, eine Wiederaufbereitungsanlage und eine Anlage zur Urananreicherung. Bis zu seiner vorläufigen Stilllegung vor fünf Jahren war der Reaktor auch eine Produktionsstätte für waffenfähiges Plutonium. Damals hatte das Regime in Pjöngjang versprochen, die Anlage unbrauchbar zu machen. Demonstrativ liess Pjöngjang 2008 den Kühlturm sprengen. Im Gegenzug erhielt das Land dringend benötigtes Erdöl und Lebensmittelhilfen. Nun will das Regime den Betrieb der Anlage wieder aufnehmen.

Über Jahre heimlich gebastelt

Yongbyon ist der Inbegriff für Nordkoreas Atomprogramm. 1962 hatte die Führung in Pjöngjang in friedlicher Absicht die Anlage errichten lassen. 1967 ging der erste Reaktor mit sowjetischer Hilfe in Betrieb. In den 1970er-Jahren gelang es Nordkorea, den Reaktor auf hoch angereichertes Uran umzustellen, was die Leistung des Reaktors zur Stromerzeugung deutlich steigerte. Etwa in dieser Zeit begann das Regime einen zweiten Reaktor zu errichten, der auch waffenfähiges Plutonium erzeugen konnte. Aber erst in den 1980er-Jahren dämmerte der Weltgemeinschaft: Nordkorea baut an der Bombe.

Es sollte jedoch noch einmal fast ein ganzes Jahrzehnt vergehen, bis die Welt diese Erkenntnis schwarz auf weiss hatte. 1994 erklärte Nordkorea ganz offiziell seinen Austritt aus der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), unterwarf sich zunächst aber weiter den Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag zur Nichtverbreitung von Kernwaffen, dem Pjöngjang 1985 beigetreten war. Als 1998 Nordkorea erstmals eine mehrstufige Rakete in die Luft schoss – angeblich zum Transport eines Satelliten –, erhärtete sich der Verdacht, dass Nordkorea auch an einer eigenen Rakete bastelt.

2003 trat Nordkorea aus dem Atomwaffensperrvertrag aus. Die Staatengemeinschaft war zu dem Zeitpunkt noch um Verhandlung bemüht. Doch die ersten Sechser-Gespräche zwischen Nordkorea, Südkorea, den USA, China, Japan und Russland endeten ohne Ergebnisse. Zwei Jahre später war es dann so weit: Das Regime bekannte sich erstmals zum Besitz von Atomwaffen und erklärte sich zur Atommacht. Im Oktober 2006 folgt der erste unterirdische Atomtest. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verhängte daraufhin Sanktionen gegen das inzwischen weitgehend isolierte Land. Denn angesichts des fortschreitenden Atomprogramms war auch Russland vom einstigen Bruderstaat abgerückt. Nur China hielt noch eine schützende Hand über Nordkorea.

Die Sanktionen zeigten Wirkung. Der damalige Diktator Kim Jong Il, der Vater des jetzigen Machthabers Kim Jong Un, versprach im Februar 2007 die Schliessung der Atomanlage in Yongbyon. Im Gegenzug erhielt er die versprochene Energie- und Wirtschaftshilfe. Im Juli wurde der Reaktor tatsächlich abgeschaltet. Doch ein Jahr später schoss Nordkorea erneut Raketen in die Luft. Dieses Mal handelte es sich sogar um Langstreckenraketen. Und als das Regime auch noch einen zweiten Atomtest startete, verschärften die UNO ihre Sanktionen wieder.

Die Lage spitzt sich zu

Nach dem Tod des Diktators Kim Jong Il kam es Anfang 2012 erstmals seit vielen Jahren wieder zu Gesprächen zwischen Washington und Pjöngjang. Im Gegenzug für Nahrungsmittelhilfen erklärte sich der junge Kim zu einem Moratorium bereit. Doch bereits im April schoss Nordkorea erneut eine Rakete in die Luft, die aber wenige Sekunden nach dem Start zerschellte. Im Dezember gelang der Schuss ins All dann doch. Im Februar 2013 unternahm Nordkorea seinen inzwischen dritten Atomtest. Seitdem spitzt sich die Lage Tag für Tag zu.

Doch ist Nordkorea nun eine Nuklearmacht? Nach Schätzungen verfügt das Regime über 30 bis 50 Kilogramm Plutonium. Zusammen mit dem hochangereicherten Uran könne es sechs bis zehn Atomsprengköpfe bestücken. «Wenn Atommacht bedeutet, dass man in relativ kurzer Zeit einen nuklearen Sprengkopf sicher ins gewünschte Ziel bringen kann», sagt der Nordkorea-Experte Werner Pfennig von der Freien Universität Berlin, dann sei Nordkorea noch keine Atommacht. Das Regime verfüge zwar über das Material und die Komponenten. Aber das passe noch nicht zusammen.

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