JFK-Serie

«Perfektes Versagen» der USA in der Schweinebucht

Gescheiterte Invasion: Mitglieder von Fidel Castros Milizarmee feiern den Triumph ihrer unerfahrenen Revolutionsregierung gegen die mächtigste Militärmacht der Welt. Foto: Ullstein

Gescheiterte Invasion: Mitglieder von Fidel Castros Milizarmee feiern den Triumph ihrer unerfahrenen Revolutionsregierung gegen die mächtigste Militärmacht der Welt. Foto: Ullstein

Die missglückte CIA-Invasion in Kuba im April 1961 war eines der grössten Debakel der US-Aussenpolitik. Nach dem Scheitern der Invasion wurden gegenseitige Schuldzuweisungen der beteiligten Akteure laut.

Im Morgengrauen des 17. April 1961 landeten 1300 Exilkubaner an der Südküste Kubas. Sie waren von der CIA in Guatemala ausgebildet und mit Waffen und Munition versorgt worden. Ihr Ziel war es, am Strand einen Brückenkopf zu errichten und ihn gegen Fidel Castros Armee zu verteidigen. In der Zwischenzeit erwarteten sie die Unterstützung der lokalen Bevölkerung, bis eine US-Invasion den Sturz der Castro-Regierung herbeiführen würde. 72 Stunden später nahm das dilettantisch vorbereitete Unternehmen der CIA ein klägliches Ende. Sowohl die Stimmung auf der Karibikinsel als auch die Interventionsbereitschaft von Präsident John F. Kennedy erwiesen sich als völlige Fehleinschätzungen.

Planänderungen unter Kennedy

Als US-Präsident Dwight D. Eisenhower am Ende seiner Amtszeit im Januar 1961 die diplomatischen Beziehungen zu Kuba abbrach, aus Angst vor einem kommunistischen Aussenposten 90 Meilen von Florida entfernt, übergab er seinem Nachfolger Kennedy einen detaillierten CIA-Geheimplan einer gross angelegten amphibischen Invasion Kubas. Von einer «verdeckten Operation» konnte allerdings keine Rede sein. Der kubanische Geheimdienst rechnete im Januar 1961 mit einer Invasion von 6000 CIA-Söldnern, und auch Zeitungen schrieben über die von der CIA betriebenen Trainingslager der Exilkubaner in Zentralamerika.

In den ersten Amtswochen der neuen Regierung Kennedy drängte die CIA zur raschen Umsetzung des Plans, bevor sowjetische Waffenlieferungen nach Kuba eine Invasion erschweren würden. Kennedy hingegen fürchtete die negativen Konsequenzen einer Invasion Kubas auf die US-sowjetischen Beziehungen. Aus diesem Grund wies er die CIA Mitte März 1961 an, den «Lärmpegel zu reduzieren» und einen neuen, diskreteren Militärplan zu entwerfen. Die CIA-Planer änderten das Vorhaben innert vier Tagen hastig ab: Die Landung sollte nun nicht mehr in Trinidad, sondern in der abgelegenen Schweinebucht erfolgen, und zwar nicht am Tage, sondern in der Nacht.

Szenen eines Desasters

Plangemäss flogen am 15. April 1961 B-26-Flugzeuge von Guatemala nach Kuba und zerstörten rund die Hälfte der kubanischen Luftwaffe. Sofort liess Castro seinen Aussenminister in der UNO-Generalversammlung die USA als Verursacher der Angriffe brandmarken. Nachdem Amerikas Beteiligung nicht mehr zu verbergen war, widerrief Kennedy aus Angst vor einer weiteren Blamage vor der UNO am Vorabend der eigentlichen Invasion die geplante zweite Serie der Luftangriffe.

Fidel Castros Triumph

Als die Exilkubaner am 17. April, zufälligerweise dem Geburtstag von Sowjetführer Nikita Chruschtschow, in der Schweinebucht an Land gingen, beherrschte die restliche kubanische Luftwaffe unbedrängt den Luftraum und versenkte zwei Schiffe mit Munition und Kommunikationsgeräten. Castros Soldaten gelang es, die Invasionstruppe innert dreier Tage aufzureiben. 118 Exilkubaner fielen, 1202 gerieten in Gefangenschaft. Für ihre Freilassung eineinhalb Jahre später mussten die USA 53 Millionen Dollar bezahlen.

Inzwischen wurden in Havanna die Transkripte von Castros Anweisungen per Funkgerät während der Schlacht an der Schweinebucht veröffentlicht. Sie zeigen, dass er persönlich das militärische Kommando innehatte und wie er die Gegenattacke Minute für Minute dirigierte. Diese kubanischen Dokumente zeigen einen jungen, leichtsinnigen Kommandanten. Seinem Bruder Raul, der sich weit vom Schlachtfeld entfernt aufhielt, funkte er etwa: «Du verpasst eine Party!» Die kubanischen Streitkräfte waren gut trainiert, kämpften effektiv und waren ihrem Land und Führer loyal ergeben.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Unmittelbar nach dem Scheitern der Invasion wurden gegenseitige Schuldzuweisungen der beteiligten Akteure laut: Kennedy war bitter enttäuscht vom Rat seiner militärischen und geheimdienstlichen Experten, die ihn mit ihren Versprechungen irregeführt hätten. Die CIA hingegen warf Kennedy vor, sich dem Plan zum Sturz Castros nicht gleichermassen verpflichtet gefühlt zu haben wie Eisenhower. Am zornigsten waren die Exilkubaner, die nicht verstehen konnten, weshalb sie mit «John Wayne» an ihrer Seite verloren hatten.

Die «verdeckte Agenda» der CIA

Weshalb hatten die CIA-Planer Kennedys Planänderungen akzeptiert, welche die militärischen Erfolgschancen der Aktion drastisch verkleinerten? Einerseits gingen die Planer aufgrund von Attentatsplänen von der Annahme aus, dass Fidel Castro zum Zeitpunkt der Landung bereits nicht mehr am Leben sein würde. Andererseits waren sie davon überzeugt, dass Kennedy im Falle eines Scheiterns der Invasion offen militärisch intervenieren würde, um die Castro-Regierung zu stürzen.

Die fehlgeschlagene Invasion in der Schweinebucht machte die zuvor unwahrscheinliche Allianz zwischen Kuba und der Sowjetunion erst plausibel, die 1962 zur gefährlichen Kubakrise führen würde.

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