Japan/China

Peking schickt Pandas statt Panzer

Sollen sich (wie hier im September an einem Asien-Gipfel) bald wieder die Hände schütteln: Japans Premier Shinzo Abe und Chinas Präsident Xi Jinping.

Sollen sich (wie hier im September an einem Asien-Gipfel) bald wieder die Hände schütteln: Japans Premier Shinzo Abe und Chinas Präsident Xi Jinping.

Die beiden asiatischen Wirtschaftsriesen China und Japan mögen sich nicht. Doch Donald Trumps Handelsstreit mit Peking zwingt die Chinesen zum Umdenken.

Autos der Marke Nissan wurden angezündet und Sushi-Läden demoliert. Tausende Demonstranten liefen durch Pekings Strassen und brüllten: «Nieder mit den Japanern.» Vor sechs Jahren war das. Damals erreichte der Streit um ein paar unbewohnte Inseln im Ostchinesischen Meer zwischen China und Japan einen Höhepunkt. Dieser Streit ist bis heute nicht gelöst. Und er ist bei weitem nicht der einzige Graben, der zwischen den beiden Ländern klafft. Der grösste Vorwurf aus Peking: Japan habe die an der chinesischen Bevölkerung verübten Gräueltaten während des Zweiten Weltkriegs bis heute nicht aufgearbeitet.

Doch trotz der vielen Misstöne: Zwischen den beiden Streithähnen herrscht nun plötzlich eitel Sonnenschein. Erstmals seit sieben Jahren ist am Donnerstag ein japanischer Regierungschef zu Besuch in der Volksrepublik China. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe, in seiner Haltung zu China eigentlich ein politischer Hardliner, wird in Peking an den Feierlichkeiten anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des japanisch-chinesischen Friedensvertrags teilnehmen. Nach Gesprächen mit seinem chinesischen Amtskollegen Li Keqiang wird Abe am Freitag auch Staats- und Parteichef Xi Jinping treffen.

Gemüse aus Fukushima

Abe und Li wollen mehrere Handelsvereinbarungen unterzeichnen, darunter die Wiederaufnahme von Agrarimporten aus der japanischen Präfektur Fukushima, wo 2011 in Folge eines schweren Erdbebens ein Atomkraftwerk beschädigt wurde. Beide Länder wollen zudem bei Zukunftstechnologien wie künstlicher Intelligenz und autonomem Fahren enger zusammenarbeiten. Zudem will Chinas Führung erstmals seit Jahren die Japaner wieder mit einem Panda-Paar als Leihgabe beglücken.

Japan ist eines der höchstentwickelten Länder der Welt, leidet aber seit mehr als 20 Jahren unter einem weitgehend gesättigten Markt mit nur noch wenig Wachstum.

Das aufstrebende China hingegen will mit der Agenda «Made in China 2025» in den nächsten Jahren zur führenden Hightech-Nation aufsteigen und plant Investitionen in Höhe von mehreren hundert Milliarden Dollar. Die chinesische Führung wirbt um Investitionen in diesem Bereich. Beide Länder könnten sich gegenseitig also gut ergänzen. Die politischen Konflikte der letzten Jahre hatten eine Zusammenarbeit jedoch erheblich erschwert.

Ausgerechnet Donald Trump scheint die beiden Erzrivalen nun zusammenzuschweissen. Der US-Präsident wettert seit Monaten gegen China und wirft der Regierung in Peking eine «unfaire Handelspolitik» vor. Er hat bereits mehr als 40 Prozent der chinesischen Exporte in die USA mit Strafzöllen belegt. China sucht nun dringend nach neuen Wirtschaftspartnern.

Abes neuer Plan

Doch auch Japan ist wegen seines gigantischen Handelsüberschusses mit den USA in Trumps Visier geraten. Trump liess die Verhandlungen um das Transpazifische Freihandelsabkommen (TPP) stoppen. Das Abkommen hatte zum Ziel, sämtliche Anrainerstaaten des asiatisch-pazifischen Raumes einzubinden, ausser China. Aus Rivalität zum aufstrebenden Nachbarn China war TPP der rechtsnationalen Regierung unter Abe ein besonders wichtiges Anliegen. Mit Trumps Aufkündigung der TPP-Verhandlungen muss Abe seine Strategie neu ausrichten.

Der Handel zwischen China und Japan hat bereits in den vergangenen Monaten massiv zugenommen. Allein im vergangenen Jahr wuchs das japanische Exportgeschäft nach China um über 20 Prozent.

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