Haiti

Parteien melden zwei Tote bei Parlamentswahl in Haiti

Haitianer stehen an um ihre Stimme abzugeben: Die Beteiligung an der Parlamentswahl ist sehr tief.

Haitianer stehen an um ihre Stimme abzugeben: Die Beteiligung an der Parlamentswahl ist sehr tief.

Bei der Gewalt rund um die Parlamentswahl in Haiti sind nach Angaben politischer Parteien zwei Menschen getötet worden. Die Vorsitzende der Partei Fusion verkündete am Montag den Tod des Sohnes eines ihrer Anhänger in der Stadt Savanette im Zentrum Haitis.

Angaben zu den Umständen des Todes machte Edmonde Supplice Beauzile nicht. Die Ex-Senatorin und derzeitige Präsidentschaftskandidatin sagte weiter, dass überdies zwei ihrer Parteimitglieder verletzt worden seien.

Die Partei des haitianischen Präsidenten Michel Martelly, PHTK, teilte derweil mit, dass einer ihrer Unterstützer im Norden Haitis erschossen worden sei. Die Polizei nannte keine konkreten Zahlen zu Opfern am Tag der Wahl. Sie teilte mit, es seien mehr als 130 Menschen festgenommen und 23 Waffen sichergestellt worden.

Am Sonntag hatte es erstmals seit vier Jahren in Haiti wieder Parlamentswahlen gegeben. Wegen eines tiefen Zerwürfnisses zwischen Staatschef Martelly und der Opposition wurden seit 2011 keine Wahlen mehr abgehalten. Die Wahlen wurden von Gewalt überschattet. Die zweite Runde der Parlamentswahl ist für den 25. Oktober geplant.

Schliessung und Verspätung

Wie die Polizei mitteilte, wurden am Sonntag in dem bitterarmen Karibikstaat 26 Wahllokale wegen gewaltsamer Zwischenfälle geschlossen. Ausserdem öffneten einige Wahllokale mit deutlichen Verspätungen. Es wurde mit einer Wahlbeteiligung von gerade einmal 15 Prozent gerechnet. Die EU-Wahlbeobachtermission zog dennoch eine überwiegend positive Bilanz.

5,8 Millionen registrierte Wahlberechtigte waren am Sonntag aufgerufen, sämtliche Abgeordneten und zwei Drittel der Mitglieder des Senats neu zu bestimmen. Um die 139 Parlamentsposten bewarben sich 128 registrierte Parteien und mehr als 1800 Kandidaten.

Laut Umfragen vor der Parlamentswahl wollten sich nur 15 Prozent der Stimmberechtigten an dem Urnengang beteiligen. Bis Ende des Jahres sollen in Haiti unter anderem noch Kommunal- und Präsidentschaftswahlen stattfinden.

Der Sprecher der nationalen Polizei, Frantz Lerebours, teilte am Nachmittag (Ortszeit) mit, landesweit seien 26 Wahllokale wegen gewaltsamer Zwischenfälle in den Wahllokalen oder ihrer Umgebung geschlossen worden. In Port-au-Prince waren bereits am Vormittag mindestens drei Wahllokale verwüstet worden. Im Département Savanette im Zentrum des Landes seien drei Wahllokale in Brand gesteckt worden.

Zu viele Beobachter

Landesweit öffneten zahlreiche Wahllokale mit Verspätung. In Haiti hat jeder Kandidat das Recht, Beobachter in die Wahllokalen seines Wahlkreises zu entsenden. Angesichts der Vielzahl der Kandidaten gab es allerdings vielerorts nicht genügend Platz für die Beobachter und daher Streit um die Ablösung der jeweiligen Beobachter. Wegen der Verzögerungen blieben einige Wahllokale ausnahmsweise länger geöffnet. Der Sprecher der Wahlkommission, Richardson Dumel, sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Verzögerungen zu Beginn der Wahl würden im Laufe des Tages aufgeholt.

Die Chefin der EU-Wahlbeobachtermission, Elena Valenciano, sagte AFP: "Auch wenn es Zwischenfälle in einigen Wahllokalen gab, korrigieren die Probleme sich." Das Europaparlament erklärte mit Blick auf die sich abzeichnende extrem niedrige Wahlbeteiligung, nötig sei "ein Appell an die Haitianer, ihr Wahlrecht auszuüben," um die Zukunft ihres Landes "zu bestimmen".

Haiti ist das ärmste Land Amerikas. Es leidet immer noch unter den Folgen des verheerenden Erdbebens vom Januar 2010, durch das mehr als 250'000 Menschen ums Leben kamen und nachhaltige Zerstörungen an der Infrastruktur des Karibikstaates angerichtet wurde.

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