Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche war unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in der türkischen Hauptstadt Ankara eingetroffen. Franziskus legte zuerst einen Ehrenkranz am Mausoleum des türkischen Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk nieder.

Anschliessend traf er Staatschef Erdogan im neuen Präsidentenpalast in Ankara. Der für seine Bescheidenheit bekannte Papst Franziskus war das erste ausländische Staatsoberhaupt, das Erdogan in seinem Ak Saray (Weisser Palast) genannten Anwesen in Ankara empfing. Der umstrittene riesige Komplex soll rund 1000 Zimmer, Bunker und Schutzräume umfassen und 500 Millionen Dollar gekostet haben.

Auf der nach dem Gespräch gehaltenen gemeinsamen Medienkonferenz rief der Papst zur Glaubensfreiheit auf und sprach damit auch die Probleme der christlichen Minderheit in der Türkei an.

"Es ist grundlegend, dass Muslime, Juden und Christen die gleichen Rechte geniessen und die gleichen Pflichten übernehmen", sagte Franziskus an der Seite Erdogans, dem Kritiker vorwerfen, er strebe eine schleichende Islamisierung seines Landes an.

Schlüsselrolle

Der Türkei als "natürliche Brücke zwischen den Kontinenten" komme beim Dialog der Religionen eine Schlüsselrolle zu. Im Kampf gegen Fundamentalismus und Terrorismus könne ein "interreligöser und interkultureller Dialog einen wichtigen Beitrag leisten, sagte Papst Franziskus weiter.

Der Papst forderte die "Solidarität aller Gläubigen", um der "terroristischen Gewalt" zu begegnen. Franziskus verwies auf die schweren Konflikte in Syrien und im Irak, ohne die sunnitische IS-Terrormiliz explizit zu benennen.

Der Papst verurteilte die "Verletzung grundlegender Menschenrechte" sowie die Verfolgung von Minderheiten. Und er erinnerte daran, dass der Konflikt nicht allein "mit militärischen Antworten" gelöst werden könne.

Noch während des Fluges nach Ankara hatte Franziskus lobende Worte für die Flüchtlingspolitik der Türkei gefunden. "Die Türkei leistet grosse Hilfe für viele Flüchtlinge", sagte der Papst mit Blick auf die rund 1,6 Millionen syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge im Land, unter denen auch einige tausend Christen und Jesiden sind.

Scharfe Vorwürfe an den Westen

Erdogan kritisierte seinerseits den "rasanten Anstieg" der "Islamophobie". Christen und Muslime müssten gemeinsam daran arbeiten, um Vorurteile abzubauen.

Wenige Stunden vor Beginn des Papst-Besuches hatte Erdogan mit scharfen verbalen Attacken gegen den Westen Irritationen ausgelöst. Die Fremden hätten es nur auf die Reichtümer der Muslime abgesehen, sagte Erdogan in Istanbul.

"Die, die von aussen kommen, mögen Öl, Gold, Diamanten, billige Arbeitskräfte sowie Gewalt und Streit", sagte der Präsident. "Sie scheinen vordergründig unsere Freunde zu sein, aber freuen sich über unseren Tod und über den Tod unserer Kinder."

Irritationen vor acht Jahren

Knapp 10'000 Polizisten wurden zur Sicherung des Staatsbesuches in Ankara und Istanbul abgestellt. Statt im Papamobil wurde Franziskus mit einer gepanzerten Limousine zum Präsidentenpalast chauffiert. Direkten Kontakt mit der türkischen Bevölkerung hatte er auf dem Weg dorthin nicht - die Strassen Ankaras blieben entlang der gesicherten Wegstrecke verwaist.

Franziskus' dreitägige Visite ist der erste Türkei-Besuch eines Papstes seit acht Jahren. Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. hatte kurz vor seinem eigenen Türkei-Besuch im Jahr 2006 für Empörung gesorgt, als er einen byzantinischen Kaiser mit den Worten zitierte, Mohammed habe "nur Schlechtes" in die Welt gebracht und Gewalt gepredigt. Im Vergleich zu damals stand Franziskus' Reise unter versöhnlicheren Vorzeichen.