Vatikan

Papst erlaubt Priestern die Vergebung von Abtreibung

Ein Priester nimmt einer Frau die Beichte ab. (Symbolbild)

Ein Priester nimmt einer Frau die Beichte ab. (Symbolbild)

Papst Franziskus setzt ein neues Zeichen: Während des bevorstehenden Jubiläumsjahres dürfen Priester auch Frauen die Absolution erteilen, die abgetrieben haben. Er wisse um die Gewissensnöte dieser Frauen, betont der Papst.

"Ich habe - ungeachtet gegenteiliger Bestimmungen - entschieden, für das Jubiläumsjahr allen Priestern die Vollmacht zu gewähren, von der Sünde der Abtreibung jene loszusprechen, die reuigen Herzens dafür um Vergebung bitten", schreibt der Papst in einem Brief an den Organisator des Heiligen Jahres, Erzbischof Rino Fisichella. Bei der Abtreibung handle es sich zwar um eine schwere Sünde, betont Franziskus. Aber er wisse um den Druck, der viele Frauen zu dieser Entscheidung geführt habe. "Ich weiss, dass dies eine existentielle und moralische Tragödie ist. Ich bin sehr vielen Frauen begegnet, die in ihrem Herzen die Narben dieser leidvollen und schmerzhaften Entscheidung trugen." Das Privileg, für Abtreibungen die Absolution zu erteilen, ist normalerweise den Bischöfen vorbehalten.

Franziskus hat das Jubiläumsjahr, das am 8. Dezember 2015 beginnen und am 20. November 2016 enden wird, nicht umsonst unter das Motto der Barmherzigkeit gestellt: "Die Vergebung Gottes für jeden Menschen, der bereut, kann diesem nicht versagt werden, besonders wenn er mit ehrlichem und aufrichtigem Herzen das Sakrament der Vergebung empfangen will", betont der Papst in seinem Brief. Gleichzeitig fordert er die Priester auf, sich auf die "grosse Aufgabe" vorzubereiten und die Absolution mit einer Reflexion zu verbinden, die den Frauen helfe, die begangene Sünde zu begreifen. Vatikansprecher Federico Lombardi betonte gestern, dass der Papst mit seiner Anweisung keineswegs die Schwere einer Abtreibung relativiere: "Es handelt sich nicht um eine Milderung der Sünde, sondern um eine für das Heilige Jahr vorgesehene Erweiterung der Barmherzigkeit."

In seinem Brief regelt Franziskus auch die Frage der Ablässe für andere Sünden. Die Vergebung der Sündenstrafen ist traditionsgemäss mit der Begehung eines Heiligen Jahres verbunden. Für das kommende Jubiläumsjahr legt der Papst unter anderem fest, dass die entsprechenden Gottesdienste nicht nur in Rom, sondern an allen dazu eingerichteten so genannten "Heiligen Pforten" in Bischofskirchen und Wallfahrtsorten gefeiert werden können. Alte und kranke Menschen, die nicht in der Lage sind, an den Feiern persönlich teilzunehmen, könnten laut Franziskus ebenfalls an der "besonderen Gnade" des Heiligen Jahres teilhaben – über die verschiedenen Medien.

Zu katholischen Jubiläumsjahren gehört auch der päpstliche Aufruf an die Regierungen zu einer allgemeinen Amnestie für Strafgefangene. Dieser Tradition bleibt auch Franziskus treu: In seinem Brief fordert er eine "umfassende Begnadigung, bestimmt für jene, die eine Strafe verdient haben, sich aber des begangenen Unrechts bewusst geworden sind und den aufrichtigen Wunsch haben, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern und dort ihren ehrlichen Beitrag zu leisten."

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