"Der Palio ist eine Metapher des Lebens und es herrscht hier tiefe Trauer über das, was gestern geschehen ist", kommentierte der Bürgermeister von Siena, Franco Ceccuzzi am Samstagnachmittag. Bei einer der insgesamt sechs Proben zum hektischen Wettkampf war am Freitag ein Tier gegen eine Begrenzung gerast. Das Pferd "Messi" wurde noch in eine Tierklinik gebracht, war aber nicht mehr zu retten.

Am Samstagabend traten die Reiter dennoch wie geplant gegeneinander an. Es waren nur neun anstatt zehn, da das verendete Pferd traditionsgemäss nicht ersetzt werden konnte. Jeder Reiter vertrat ein Stadtviertel (Contrada) Sienas. Geritten wurde traditionsgemäss ohne Sattel. Wappen, Tracht und Fahne der Viertel wurden vor dem Rennen in einem Umzug auf der Rennbahn vorgeführt.

Kritik am Pferderennen

Der Tod von "Messi" hat jedoch die Diskussion um den Palio neu entfacht. Seit 1970 seien bereits rund 50 Pferde bei dem Rennen ums Leben gekommen, erklärte die Konsumentenschutzorganisation Codacons. Tourismusministerin Michela Brambilla drohte, auch der Palio sei nicht "unantastbar".

Italienische Tierschützer kritisieren seit langem, der Wettkampf, bei dem Pferde und Reiter die abschüssige Piazza del Campo mitten im historischen Zentrum der Stadt dreimal umrunden müssen, sei Tierquälerei.

Palio-Anhänger halten dem nicht nur die Tradition entgegen, sondern auch das Wohlergehen der Pferde. Die Tiere würden nicht nur gehegt und gepflegt sowie in einer Kirche der Stadt vor jedem Rennen gesegnet. Sie hätten auch ein Anrecht auf "Altersversorgung".

Der Palio findet zweimal im Jahr statt - Anfang Juli und Mitte August - zu Ehren der Madonna. Das eigentliche Rennen dauert dabei in der Regel nur anderthalb Minuten. Ein Pferd gewinnt auch dann, wenn es ohne den gestürzten Reiter als erstes ins Ziel kommt.