Netanjahu reagierte damit am Donnerstagabend auf einen Beitrag des stellvertretenden palästinensischen Informationsministers Al-Mutawakil Taha, der auf der offiziellen Internetseite der Behörde veröffentlicht wurde.

Darin heisst es unter anderem, die Klagemauer sei nicht wie von den Juden behauptet ein Teil der Westmauer des einstigen Tempels, der im Jahre 70 von den Römern zerstört wurde, sondern ein integraler Bestandteil der Al-Aksa-Moschee. "Die toleranten Muslime haben den Juden erlaubt, davor zu stehen und den Verlust zu beklagen", heisst es weiter.

Darüber hinaus sei die Klagemauer angeblich erst um 1520 Teil jüdischer religiöser Tradition geworden. Der Autor kommt zum Schluss, dass kein Muslim, Araber oder Palästinenser nur einen einzigen Stein oder ein einziges Staubkorn der Klagemauer oder anderer heiliger Stätten aufgeben dürfe.

Tahas Ansichten sind nicht neu, sondern seit Jahren geäussertes und weit verbreitetes Gedankengut unter Palästinensern und anderen Muslimen.

Abbas soll Taha zurückpfeifen

Eine derartige Verdrehung historischer Tatsachen stelle die Absichten der palästinensischen Autonomiebehörde, zu einem Friedensabkommen mit Israel zu gelangen, ernsthaft infrage, heisst es in der Erklärung Netanjahus.

Die israelische Regierung erwarte, dass die Palästinenserführung unter Präsident Mahmud Abbas die Studie missbillige und weit von sich weise. Netanjahu wies ausserdem darauf hin, dass die Klagemauer die heiligste Stätte der Juden in den vergangenen 2000 Jahren seit der Zerstörung des Tempels sei.

Seit 1967 unter israelischer Kontrolle

Die Klagemauer ist die ehemalige Westmauer des von Herodes erbauten zweiten jüdischen Tempels, der im Jahr 70 nach Christus von den Römern zerstört wurde. Sie ist etwa 50 Meter lang und 20 Meter hoch.

Während des Sechs-Tage-Kriegs 1967 eroberte Israel den Ostteil Jerusalems und übernahm damit auch die Kontrolle über die Klagemauer. Der Streit über die Kontrolle der religiösen Stätten in der Altstadt von Jerusalem gehört zu den schwierigsten Fragen der Nahost-Friedensverhandlungen.