Beide Seiten bräuchten mehr Zeit, um eine Einigung zu erzielen, sagten palästinensische Unterhändler dem Fernsehsender Al-Dschasira am Montagabend. Wenig später bestätigten auch israelische Regierungskreise die Übereinkunft bei den Verhandlungen in Kairo.

Bis Dienstag 23 Uhr (MESZ) solle abschliessend über einen von Ägypten vermittelten Vertrag beraten werden. Kurz zuvor hatten palästinensische Medien berichtet, die Unterhändler hätten sich auf eine mehrwöchige Feuerpause geeinigt. Nach dem Anfang Juli ausgebrochenen jüngsten Gaza-Krieg hält seit dem 10. August fast durchgängig eine Feuerpause.

Israel hatte zuvor noch mit harten Gegenmassnahmen gedroht, sollten die militanten Palästinenser im Gazastreifen ihre Raketenangriffe wieder aufnehmen. "Wir sind auf alle Szenarien vorbereitet", sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Montag beim Besuch eines Marinestützpunktes in der Hafenstadt Aschdod. "Die Armee ist auf einen sehr entschlossenen Einsatz vorbereitet, sollten sie (die Palästinenser) wieder schiessen."

Neue Ordnung im Gazastreifen gefordert

Verteidigungsminister Mosche Jaalon sagte, die vor sechs Wochen begonnene Offensive im Gazastreifen sei noch nicht abgeschlossen. Es werde der radikal-islamischen Hamas nicht gelingen, Israel in einen Zermürbungskrieg zu verwickeln, sagte er.

Die israelische Nachrichtenseite "ynet" schrieb, Israel bestehe unter anderem auf strengen Einfuhrkontrollen in den Gazastreifen, die eine Wiederbewaffnung der militanten Palästinenserorganisationen verhindern solle. Hamas lehne dies ab und fordere weiter eine Aufhebung der Blockade des Gazastreifens sowie die Einrichtung eines Seehafens.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas wollte zu dringenden Gesprächen mit dem Hamas-Exilchef Chaled Maschaal nach Katar reisen, berichteten palästinensische Medien am Montag. Am Wochenende wollte er dann nach Kairo fahren.

Die israelische Chefunterhändlerin Zipi Livni forderte eine "neue Ordnung" im Gazastreifen nach dem Krieg. Die dort seit 2007 herrschende Hamas müsse "einen Schlag erleiden, militärisch und politisch", sagte sie dem israelischen Rundfunk.

Die Justizministerin sprach sich für eine langfristige Entmilitarisierung der Küstenenklave am Mittelmeer aus. Die Hamas und andere militante Organisationen lehnen dies ab. Livni erklärte, die palästinensische Autonomiebehörde müsse im Gazastreifen wieder die Kontrolle übernehmen.

Geberkonferenz geplant

Ägypten und Norwegen wollen gemeinsam in Kairo eine Konferenz über den Wiederaufbau des Gazastreifens ausrichten. Die Einladungen zu dem Treffen sollten ausgesprochen werden, wenn bei den Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern eine langfristige Waffenruhe erzielt worden sei, teilte das ägyptische Aussenministerium mit.

Aus Furcht vor neuen Angriffen aus dem Gazastreifen stellte Israel den Bahnverkehr in der Nähe des Palästinensergebiets ein. Bis auf weiteres sollten keine Züge zwischen der Küstenstadt Aschkelon und der Grenzstadt Sderot mehr fahren, berichtete "ynet". Das Verteidigungsministerium habe die Sorge, die Züge könnten in Grenznähe mit Panzerabwehrraketen angegriffen werden.

Häuser von Terrorverdächtigen zerstört

Mehr als zwei Monate nach der Entführung und dem Mord an drei israelischen Jugendlichen im Westjordanland zerstörte die Armee die Häuser der palästinensischen Tatverdächtigen. Der zu Monatsbeginn gefasste Hussam Kawasma habe zwei weitere Palästinenser mit der Tat beauftragt, teilte die Armee mit.

In der Nacht seien sein Wohnhaus sowie das des weiter gesuchten Marwan Kawasme in Hebron zerstört worden. Das Haus des dritten Tatverdächtigen, Omar Abu Ajschah, sei versiegelt worden.

Israel wirft der Hamas vor, verantwortlich für die Tat zu sein. Die Palästinenserorganisation bestreitet dies jedoch. Nach den Morden setzte eine Welle der Gewalt ein, die in den Gaza-Krieg mündete.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza starben in dem Konflikt seit dem 8. Juli aufseiten der Palästinenser 2016 Menschen, mehr als 10'000 wurden verletzt. Auf israelischer Seite wurden 64 Soldaten und drei Zivilisten getötet, Hunderte Menschen erlitten Verletzungen.