Ägypten

Opposition kündigt zum Jahrestag des Mubarak-Sturzes Proteste an

Der ägyptische Präsident Mursi als Hampelmann in einer Demonstration gegen Islamisten in Kairo

Der ägyptische Präsident Mursi als Hampelmann in einer Demonstration gegen Islamisten in Kairo

Ägyptens Opposition bereitet sich zum zweiten Jahrestag des Sturzes von Langzeitmachthaber Husni Mubarak auf neue Proteste vor. Für Montag kündigten Aktivisten Demonstrationen in mehreren Städten gegen die Regierung des islamististischen Präsidenten Mohammed Mursi an.

In der Nacht zum Samstag hatten Krawalle erneut einen Menschen das Leben gekostet. Wie staatliche Medien unter Berufung auf das Gesundheitsministerium berichteten, wurde der Tote in der Nähe des Amtssitzes von Mursi entdeckt. Die Identität des Opfers war unklar.

Bei den gewaltsamen Zusammenstössen zwischen der Polizei und Gegnern der regierenden Islamisten in fünf Provinzen wurden den Angaben zufolge 216 Menschen verletzt. Unter den Verletzten seien auch sechs Polizeioffiziere, teilten Sicherheitsbehörden mit. Einer sei von Kugeln an Brustkorb und Schulter verletzt worden.

Fast 100 Festnahmen

In der Hauptstadt Kairo warfen Demonstranten Brandsätze und Feuerwerkskörper; zudem setzten sie Autoreifen in Brand. Als die Polizei massiv und mit Einsatz von Tränengas gegen die Kundgebung vorrückte, flohen die Protestierenden den breiten Boulevard hinunter, der am Präsidentenpalast entlangführt.

Sicherheitsbehörden teilten zudem mit, dass bei den Krawallen 93 Menschen festgenommen worden seien, die meisten in der Provinz Gharbija, wo die Industriestadt Mahalla und die Stadt Tanta liegen. Am Wochenende kehrte zunächst wieder Ruhe ein.

Verratene Ziele

Ein Aktivist aus Tanta war erst vor wenigen Tagen beerdigt worden. Er soll nach Angaben ägyptischer Medien in Polizeigewahrsam gefoltert worden sein.

Nach dem zweiten Jahrestag der "Revolution des 25. Januar", die 2011 zum Sturz Mubaraks und seiner Regierung geführt hatte, gab es in Ägypten die schlimmsten Ausschreitungen seit dem Amtsantritt Mursis. Seither dauern die Proteste an.

Die breitgefächerte Opposition wirft Mursi vor, die Revolutionsziele verraten zu haben. Der Präsident vertrete nur noch die Interessen der Muslimbrüder, denen er entstamme.

YouTube soll gesperrt werden

In der ohnehin aufgeheizten Stimmung sorgte am Samstag ein Gerichtsbeschluss für neuen Unmut: Die Internetplattform YouTube soll für einen Monat gesperrt werden. Die Kairoer Justizbehörde begründete dies damit, dass einige Inhalte den Islam beleidigten.

Das Gericht bezog sich unter anderem auf den umstrittenen Film "Unschuld der Muslime", der den Propheten Mohammed als Frauenheld, Homosexuellen und Päderasten verunglimpft. Das verhängte Verbot soll auch für andere Internetseiten gelten, die das Video veröffentlicht haben.

Der Film war im Sommer 2011 in der Nähe von Los Angeles gedreht worden. Im Internet veröffentlichte Ausschnitte lösten im vergangenen September massive Proteste in der islamischen Welt aus. Dabei gab es mehrere Tote.

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