Irak

Offensive auf IS-Hochburg Mossul: «Wir werden einen Kampf bis zum Tod fechten»

Die irakische Armee hat in der Nacht auf Montag zusammen mit kurdischen und sunnitischen Kämpfern ihre Offensive zur Rückeroberung Mossuls von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) begonnen. Unterstützt werden die Streitkräfte von einer US-geführten Militärkoalition. Erste Verteidigungslinien des IS um die nordirakische Millionenstadt seien zerstört worden, teilte die Armee am Montag mit.

Nach Medienberichten sollen 30'000 Mann der Allianz 4000 IS-Kämpfern gegenüberstehen. Sollte die Offensive gegen die letzte IS-Bastion im Land erfolgreich verlaufen, wären die sunnitischen Fanatiker vom so genannten Islamischen Staat (IS) im Irak militärisch weitgehend besiegt.

Als Folge der Kämpfe sieht das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR etwa eine Million Zivilisten in Gefahr, bis zu 700'000 Menschen könnten Hilfe benötigen. Hilfsorganisationen forderten sichere Fluchtwege.

Die IS-Terrormiliz hatte die 1,5-Millionen-Einwohner-Stadt Mossul am 10. Juni 2014 vollständig unter Kontrolle gebracht. Von dort aus überrannte sie weite Teile des Iraks, aber inzwischen hat sie viele dieser Gebiete wieder verloren. Im Nachbarland Syrien beherrscht der IS jedoch weiterhin grosse Landstriche, steht dort aber ebenfalls unter Druck.

Kurden und Armee erobern erste Dörfer

Irakische Sicherheitskräfte begannen die gross angelegte Operation am frühen Morgen im Schutze der Dunkelheit. Kurdische Peschmerga nahmen nach eigenen Angaben etwa 40 Kilometer östlich von Mossul sieben Dörfer ein. Die irakische Armee teilte mit, ihre Einheiten hätten südlich der Stadt zwölf Orte erobert. Soldaten sind demnach teilweise bis auf 20 Kilometer an die Stadt herangerückt.

Start der Mossul-Offensive

Start der Mossul-Offensive

Das IS-Propagandaorgan Amak berichtete von mehreren Selbstmordattentaten gegen die Angreifer.

Der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi erklärte in einer kurzen Fernsehansprache, die Stunde des Sieges sei gekommen. Er rief die Bürger von Mossul dazu auf, mit den irakischen Streitkräften zu kooperieren. 2016 werde das Jahr sein, in dem der IS besiegt werde, sagte Al-Abadi.

Vorbehalte gegenüber Bagdad

Der IS hatte bei seinem Einmarsch in Mossul vor mehr als zwei Jahren unter der sunnitischen Bevölkerung Rückhalt gefunden - gegen das mehrheitlich schiitische Machtzentrum in der Hauptstadt Bagdad.

Die letzte IS-Hochburg im Irak: Die Millionenmetropole Mossul

Kräfte der irakischen Armee und Polizei hatten in den vergangenen Wochen und Tagen im Umland von Mossul Stellung bezogen. Unterstützt werden sie bei der Offensive von kurdischen Peschmerga-Kämpfern, die aber nicht in die Stadt eindringen sollen. Auch lokale sunnitische Milizen sollen an dem Angriff beteiligt werden.

Die von den USA angeführte internationale Koalition fliegt Luftangriffe gegen den IS. US-Verteidigungsminister Ashton Carter erklärte, Ziel sei es, den IS dauerhaft zu besiegen. Sowohl Mossul als auch der Rest des Iraks sollten "vom Hass und der Brutalität" der Extremisten befreit werden.

Schiitische Milizen nicht willkommen

Umstritten ist der Einsatz schiitischer Milizen bei der Offensive. Diese hatten angekündigt, sich an der Militäroperation zu beteiligen. Die Sunniten lehnen das jedoch ab, weil sie befürchten, dass die schiitischen Milizen ihren Einfluss im Land noch weiter ausbauen könnten.

Mossul ist die wichtigste sunnitische Stadt im Irak. Viele Sunniten fühlen sich von der Mehrheit der Schiiten im Land und von der schiitisch dominierten Zentralregierung diskriminiert.

"Entscheidender Moment" im Kampf gegen IS-Miliz: Offensive auf Mossul hat begonnen

"Entscheidender Moment" im Kampf gegen IS-Miliz: Offensive auf Mossul hat begonnen

Erdogan besteht auf türkischer Beteiligung

Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan besteht darauf, dass Truppen seines Landes an der Befreiung Mossuls teilnehmen. "Wir werden bei der Operation dabei sein, wir werden am Tisch sitzen, es ist nicht möglich, dass wir aussen vor bleiben", sagte Erdogan in Istanbul.

Die Türkei hat rund 2000 Soldaten im kurdischen Autonomiegebiet im Nordirak stationiert und bildet sunnitische Milizen für den Kampf gegen die Dschihadisten aus. Die Regierung in Bagdad fordert jedoch den Abzug der türkischen Truppen.

Brisant ist auch die Frage, wer nach dem Ende der IS-Herrschaft die Kontrolle in der wegen ihres Ölreichtums äusserst begehrten Region Mossul übernimmt, die sowohl von Kurden als auch von der Zentralregierung in Bagdad beansprucht wird.

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