US-Wahlen

Offener Schlagabtausch im Schatten von Trump

Die Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Ted Cruz im Schlagabtausch.

Die Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Ted Cruz im Schlagabtausch.

Die letzte Fernsehdebatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten im laufenden Jahr wird an der Dynamik des Wahlkampfs vorerst nichts ändern. Trump hielt sich zurück, die Kandidaten in seinem Schatten hoffen, dass der Baulöwe bald implodiert.

Ted Cruz lässt sich nicht beirren. Der Senator aus Texas, der im Rennen um das Weisse Haus neuerdings unter religiösen Republikanern die Nase vorn hat, will seinen Konkurrenten Donald Trump nicht attackieren. Das ist seine Strategie, und an dieser Taktik hält der rhetorisch geschliffene Rechtsausleger fest – so auch am Dienstag, in der letzten Fernsehdebatte der konservativen Präsidentschaftskandidaten im laufenden Jahr. Als Cruz gefragt wurde, ob Trump denn das notwendige Rüstzeug und Temperament besitze, das wichtigste Amt im Lande auszufüllen, ignorierte er den Steilpass. Stattdessen wirkte Cruz ein wenig servil (Trump stand direkt neben ihm) und kritisierte stattdessen den amtierenden Präsidenten und seine ehemalige Aussenministerin Hillary Clinton.

Donald Trump über seine Zukunftspläne

Donald Trump über seine Zukunftspläne

Und weil Cruz darauf verzichtete, Trump zu attackieren, wird der New Yorker Baulöwe das Wahljahr 2016 an der Spitze der (nationalen) Meinungsumfragen beginnen. Denn niemand hat es bisher geschafft, ihm seine Führungsposition streitig zu machen. Ganz im Gegenteil: jeder, der dem Druck der Medien nachgab, und die Rhetorik, Programmatik oder das Aussehen des Multi-Milliardärs kritisierte, wurde von Trump regelrecht zu Kleinholz verarbeitet.  Da kann Jeb Bush – einst der Favorit des Polit-Establishments – noch lange poltern: «Sie sind kein seriöser Kandidat. Donald, Sie werden die Präsidentschaft nicht gewinnen, indem sie wild mit Beleidigungen um sich werfen.» Tatsache ist, dass die pubertären Rundumschläge des Multi-Milliardärs beim Fussvolk auf Zustimmung stossen – auch weil er in einer einfachen Sprache sagt, was viele Amerikaner denken. Als er ankündigte, er werde auch im Falle einer Niederlage bei den Vorwahlen, die am 1. Februar beginnen, nicht als unabhängiger Kandidat ins Rennen steigen, erntete Trump warmen Applaus.

Weil sich Trump und Cruz nicht in die Haare gerieten, stand am Dienstag plötzlich Marco Rubio, der dynamische Senator aus Florida, im Fokus. Rubio stritt sich mit Cruz über die Bekämpfung des Terrorismus, die Befriedung des Mittleren und Nahen Ostens und die Reform des amerikanischen Einwanderungsrechts. Dieser Schlagabtausch zwischen den beiden ambitionierten Senatoren, die beide kubanische Wurzeln besitzen, war vergleichsweise heftig. Cruz sagte an einer Stelle: «Marco weiss, dass er nicht die Wahrheit sagt.» Und: «Ich verstehe, warum Marco Verwirrung stiften will.» Rubio wiederum warf Cruz vor, er riskiere das Leben vieler Amerikaner, weil er dem militärischen Geheimdienst NSA die Flügel gestutzt habe.

Dabei handelte es sich nicht nur um Theaterdonner. Cruz und Rubio versuchen, sich in Stellung zu bringen, falls Trump zu Beginn der Vorwahlsaison plötzlich implodieren sollte – weil sich seine Umfragewerte nicht in Wählerstimmen transferieren lassen. Cruz vertritt dabei den sozialkonservativen Flügel der Republikanischen Partei, der mit staatskritischen Ideen sympathisiert. Rubio wiederum, der bei seinem Wahlsieg im Jahr 2010 als Star der Tea-Party-Bewegung galt, identifiziert sich nun mit dem Partei-Establishment in Washington, das für eine muskelstrotzende Aussenpolitik eintritt. Wer in diesem Duell um die «Seele der Partei», so der Fox-News-Moderator Bret Baier, als Sieger hervorging, darüber waren sich die Politbeobachter am Dienstag nicht einig. 

Offen ist auch, ob dieser Schlagabtausch im breiten Publikum überhaupt auf Interesse stiess. Einer der grössten Lacher des Abends hatte Chris Christie, der Gouverneur von New Jersey. Nachdem sich Rubio, Cruz und der staatskritische Senator Rand Paul aus Kentucky minutenlang über legislative Fesseln für die Geheimdienste gestritten hatten, sagte Christie, an die Fernsehzuschauer gerichtet: «Wenn Ihr Blick nun ins Leere schweift, wie meiner – so geht es im Senat der Vereinigten Staaten ständig zu und her.» 

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