Mit deutlichen Worten hat US-Präsident Barack Obama gestern dem ukrainischen Volk den Beistand der Amerikaner versichert. Während eines Treffens mit dem interimistischen Ministerpräsidenten Arsenij Jazenjuk im Oval Office sagte Obama, dass Washington eine Verletzung der «territorialen Integrität» der Ukraine nicht akzeptieren werde. Und an die Adresse Moskaus sagte er, dass die Druckversuche auf die Ukraine nicht zum Erfolg führten. «Wenn Russland diesen Weg weiterbeschreitet, dann wird es einen Preis bezahlen müssen», sagte Obama. Jazenjuk versicherte seinerseits, dass die Ukrainer für ihre «Freiheit und Unabhängigkeit» kämpften. Die Ukraine werde für immer ein Teil des Westens sein.

Hoffnung auf Diplomatie

Trotz dieser scharfen Töne hat sich Washington dazu entschieden, in der Krim-Krise der Diplomatie noch einmal eine Chance zu geben.

Aussenminister John Kerry gab gestern während einer Anhörung im US-Parlament bekannt, dass er am Donnerstag erneut über den Atlantik fliegen wolle, um sich in London mit seinem russischen Amtskollegen zu treffen. Er werde Sergei Lawrow eine Reihe von «Auswahlmöglichkeiten» präsentieren und ihm klarmachen, dass eine Annexion der Krim automatisch ein Ende der diplomatischen Vermittlungsmission zur Folge hätte. Noch aber hoffe er auf ein Einlenken der Russen.

Ein direktes Gespräch sei vielleicht hilfreich, sagte Kerry. Russland weigerte sich bisher, auf die Verhandlungsbedingungen der Amerikaner einzugehen. Deshalb wurde am Montag ein direktes Treffen zwischen Kerry und Russlands Präsident Wladimir Putin kurzfristig abgesagt. Schuld daran war allerdings auch der zunehmend aggressive Ton der Amerikaner. So verschickte das Aussenministerium in der vorigen Woche - als sich Kerry und Lawrow zum Gespräch trafen - eine Stellungnahme mit dem Titel: «Präsident Putins Dichtung: 10 falsche Behauptungen über die Ukraine».

Milliarden-Garantien für Kiew

Obama und Kerry sind nicht die einzigen Akteure in der diplomatischen Krise. Auch das amerikanische Parlament hat ein wichtiges Wörtchen mitzureden, wie Senator Robert Menendez - Vorsitzender des Aussenpolitischen Ausschusses im Senat - gestern bekräftigte. Der Demokrat aus New Jersey stellte während einer Kommissionssitzung einen Gesetzesentwurf vor, der in den kommenden Tagen debattiert werden soll. Die Vorlage enthält Garantien an die neue ukrainische Regierung in der Höhe von 1,15 Milliarden Dollar.

Zudem sind Sanktionen gegen die russischen und ukrainischen Drahtzieher der Unruhen in der Ukraine vorgesehen. Mit einer solchen Massnahme, so Menendez, könne das aggressive Verhalten Moskaus gebremst werden. Und der republikanische Senator John McCain ergänzte, dass Amerika einen Kollaps der legitimen Regierung nicht zulassen könne.

Führende amerikanische Aussenpolitiker machten sich derweil in die Ukraine auf. Zusammen mit drei Demokraten und vier weiteren Republikanern will John McCain heute nach Kiew reisen, um der provisorischen Regierung den Beistand der Amerikaner zu versichern. Die Senatoren planen, am Sonntagmorgen in die USA zurückzukehren - also vor dem Abschluss des Anschluss-Referendums auf der Krim.