Historischer Besuch

Obama und Castro geben sich die Hand: «Einfach wirds nicht sein»

«Einen neuen Tag» sah Obama in den Beziehungen zwischen Kuba und den USA anbrechen. Castro sah «noch einen langen und komplexen Weg».

«Einen neuen Tag» sah Obama in den Beziehungen zwischen Kuba und den USA anbrechen. Castro sah «noch einen langen und komplexen Weg».

US-Präsident Barack Obama ist am Montag mit Kubas Staatschef Raúl Castro zu einer Unterredung zusammengekommen. Obama war eher optimistisch. Kubas Staatschef Raúl Castro redete lieber vom noch Trennenden: Das Embargo muss weg, Guantánamo wieder zurück.

Mochte der erste Besuch eine amerikanischen Präsidenten auf der Zuckerrohrinsel seit 1928 auch grosse Erwartungen geweckt haben, dass sich mehr als 50 Jahre tiefe Feindschaft in Kürze in Minne auflösen möge – ganz so schnell geht es doch nicht. Kubas Staatschef Raúl Castro und US-Präsident Barack Obama haben am Montag die Differenzen betont, die beide Staaten noch trennen. Vor allem Castro verwandte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz nach einem ausgedehnten bilateralen Treffen mehrere Minuten auf die Probleme zwischen den USA und Kuba.

Barack Obama und seine Entourage erweisen dem kubanischen Freiheitskämpfer Jose Marti die Referenz. Überwacht wird die Szene von einem anderen kubanischen Helden Che Guevara

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Es gebe noch immer «tiefe Differenzen» in den Fragen von Demokratie und Menschenrechte und der Einschätzung internationaler Probleme in der Welt.» Aber beide Länder müssten die «Kunst der zivilen Zusammenlebens» weiter vertiefen, betonte Castro. Aber eine weitere Annäherung werde nicht möglich sein, solange das Wirtschaftsembargo gegen Kuba nicht aufgehoben werde und die USA die Militärbasis Guantánamo nicht an die Insel zurückgegeben hätten.

Obama hingegen war wesentlich positiver und optimistischer als sein Gegenüber. Er betonte, beide Staaten würden jetzt nicht mehr in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft schauen. «Die Zukunft Kubas wird nicht von den USA entschieden, sondern von den Kubanern selbst.»

Kuba: Obama beginnt historischen Besuch in Havanna

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Obama landete gemeinsam mit seiner Frau Michelle am Sonntagnachmittag Ortszeit in der Hauptstadt Havanna.

Die Vereinigten Staaten und Kuba durchlebten jetzt eine neue Ära. Auch wenn er anerkannte: «Es wird nicht einfach sein». Aber Obama machte klar, dass es nun die Zeit für Wandel durch Annäherung sein werde und nicht durch Aggression. «Kuba ist ein souveräner Staat».

«Welche politischen Gefangenen?»

Castro zeigte sich offensichtlich genervt von der Frage eines US-Reporters nach den politischen Gefangenen auf der Insel. «Nennen Sie mir die Namen, und ich werde sie heute Abend frei lassen», forderte er den Reporter auf. Castro machte deutlich, dass noch ein «langer und komplexer Weg» bleibe, um die beiden Staaten wieder anzunähern. «Brücken einreissen, ist einfach und schnell, aber sie wieder aufzubauen ungleich komplizierter».

Mehr Breitband für Kuba

Zuvor hatte Obama bereits eine recht überraschende Nachricht für die Kubaner verkündet. Der kalifornische Internet-Gigant Google wird auf der Karibikinsel das Internet ausbauen. Dies kündigte Obama in Havanna in einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC an. Auf der Insel haben in den Haushalten und bei der Arbeit rund 5 bis 15 Prozent der Bevölkerung Zugang zum Internet.

Die Regierung hat zwar vor zwei Jahren staatliche Internetcafés eingerichtet und jüngst öffentliche Hotspots, aber dennoch ist der Zugang zum WorldWideWeb in Kuba noch immer die Ausnahme und nicht die Regel. «Google hat eine Vereinbarung abgeschlossen, wonach sie mehr Breitband-Wifi-Internet nach Kuba bringen wird», betone Obama. Das sei notwendig, damit Kuba auch wirtschaftlich im 21. Jahrhundert ankommt.

Gemischte Empfindungen

In den «Almendrones», den kubanischen Sammeltaxis, gab es am Montagmorgen nur ein Gesprächsthema: Den Besuch von US-Präsident Barack Obama in Havanna und Kuba. Und der Tenor war eindeutig: Der Empfang am Sonntagabend war kühl, nicht nur weil es in Strömen regnete. Sondern vor allem, weil Präsident Raúl Castro nicht am Flughafen war. Das war protokollarisch zwar korrekt, aber bei anderen Staatschefs waren Castro oder sein Stellvertreter Miguel Diáz-Canel sehr wohl an die Rollbahn gekommen. Etwa bei Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro, dem Papst oder Russlands Präsident Wladimir Putin. 

Das Handyfoto ist auf jeden Fall wichtiger als demonstrativer Jubel, wenn der US-Präsident durch die Strassen Havannas zum Staatschef fährt.

Das Handyfoto ist auf jeden Fall wichtiger als demonstrativer Jubel, wenn der US-Präsident durch die Strassen Havannas zum Staatschef fährt.

Wenn die erste Ankunft des Staatschefs der Vereinigten Staaten in 88 Jahren ein Vorzeichen für die ganzen drei Tage seiner geschichtsträchtigen Visite ist, dann dürfte das Treffen unterkühlt bleiben. Zumindest von kubanischer Seite: Während Obama freundlich lächelnd den Menschen auf der Insel ein: «Que bolá, Cuba», «Wie gehts Kuba» zuwarf, schickte Castro seinen Aussenminister Bruno Rodríguez zum Airport und seine Polizei Stunden vorher zu einer Demonstration der Oppositionsgruppe «Damas de Blanco». Diese hatten vor der Weltpresse behauptet, die Menschen auf der Insel wünschten sich ein «Kuba ohne Castros».

Ein Übermass an Symbolik

Aber bei diesem Besuch, der so überfrachtet ist, kommt es auf die Symbole an. Zumal die beiden Politiker und Delegationen zwar viel miteinander vereinbaren werden, aber ob sie es auch kommunizieren, ist eher fraglich. Die offizielle kubanische Seite tat bisher alles, um dem Obama-Trip die Bedeutung zu nehmen. Sie luden Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro zwei Tage vor Obamas Ankunft ein, verliehen ihm einen Orden, Maduro darf Fidel Castro treffen und die Staatspresse berichtet davon auf den ersten Seiten. Mehr Symbolik geht nicht mehr.

Obama in Kuba: Polizei nimmt Dissidenten fest

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Kurz vor der Ankunft von US-Präsident Barack Obama sind in der kubanischen Hauptstadt Havanna rund 50 Dissidenten festgenommen worden. Unterstützt von rund 300 grölenden Regierungsanhängern, lösten die Sicherheitskräfte eine Demonstration der «Frauen in Weiss» auf. Die «Frauen in Weiss» waren 2003 von Ehefrauen und weiblichen Angehörigen politischer Gefangener gegründet worden. 

Das alles kontrastiert deutlich mit dem, was die Menschen in Kuba empfinden. Sie wünschen sich, dass der US-Präsident Veränderungen bringt oder zumindest neue Reformen im Land anstossen kann. «Es ist etwas Unvorstellbares», sagt Rebecca Mayorga, eine Frau Mitte 60. «Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier noch mal einen US-Staatschef erlebe». Obama müsse dafür sorgen, dass «El bloqueo», das Embargo abgeschafft werde. Sie wird – mindestens für eine Weile – noch enttäuscht werden, wie die anderen Millionen Menschen auf der Insel, die sich das gleiche wünschen.

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