«Wenn ich dich nicht heiraten kann, werde ich Priester», soll Jorge Mario Bergoglio, heute Papst Franziskus, als Zwölfjähriger seiner damaligen Nachbarin Amalia Damonte gesagt haben. «Er hatte mir einen Brief geschrieben. Darauf war ein weisses Haus gezeichnet mit einem roten Dach. Darunter stand: ‹Dieses Haus werde ich dir kaufen, wenn wir heiraten›», erzählte Damonte diese Woche argentinischen Medien.

Ihre Eltern waren nicht einverstanden damit, dass ihre junge Tochter Liebesbriefe von einem Jungen bekommt. «Wir haben dich als ein anständiges Mädchen erzogen», soll ihre Mutter gesagt haben, worauf sie Bergoglio eine Absage gab. «Ich sagte ihm: ‹Du darfst nicht mehr vorbeikommen, sonst wird dich mein Vater umbringen.›» Jorge hielt, was er sagte, und wurde Priester.

Das Strässchen Membrillar in Buenos Aires’ beschaulichem Viertel Flores, in dem beide aufgewachsen sind, war diese Woche ein Anziehungspunkt für in- und ausländische Medien. Die damalige Herzensdame von Papst Franziskus lebt weiterhin dort. Noch am Samstagnachmittag interviewten zwei brasilianische Journalisten die Nachbarn. Diese zeigten auf die beiden Häuser, die der heutige Papst mit seiner Familie bewohnt hatte.

«Das waren kleine, bescheidene Häuser für die Unterschicht», sagte eine Nachbarin. «Jorge spielte oft auf der Wiese zwei Strassen weiter Fussball.»

Währenddessen fuhren immer wieder Autos vor das Haus, das der Papst am längsten bewohnt hatte. Einige hielten nur kurz, schauten und fuhren weiter. Zwei ältere Ehepaare stiegen aus und fotografierten sich gegenseitig davor. «Die Wahl des Papstes hat uns sehr berührt», sagte ein älterer Herr und schoss ein Bild von seiner Ehefrau vor dem ehemaligen Haus des Papstes. An den Fenstergittern hatten Unbekannte bereits christliche Gebetsketten aufgehängt.