Fazit

Norwegens Gesundheitsdirektorin sagt, Schulschliessungen seien ein Fehler gewesen

Wars ein Fehler, die Schüler in Norwegen (hier die Stadt Bergen) zwei Monate lang aus der Ferne zu unterrichten? (Bild: Pixabay)

Wars ein Fehler, die Schüler in Norwegen (hier die Stadt Bergen) zwei Monate lang aus der Ferne zu unterrichten? (Bild: Pixabay)

Die Jugendlichen hätten durch ihr Verhalten zur Verbreitung des Virus beigetragen. Die Regierungschefin nimmt die Jugend in Schutz.

Norwegen hat Danke seines harten Lockdowns die erste Coronawelle gut überstanden. Das Virus breitet sich kaum noch aus, das Land öffnet sich. Veranstaltungen mit 50 Personen sind erlaubt, Sportwettkämpfe mit bis zu 20 Teilnehmenden ebenfalls. Und heute Montag gehen sämtliche Schulen wieder auf.

Dass die Schulen im skandinavischen Land zu Beginn der Coronakrise überhaupt geschlossen worden waren, war laut der norwegischen Gesundheitsbehörde wohl ein Fehler. Die Regierung in Oslo hatte die Schulen im März entgegen den Empfehlungen der Gesundheitsexperten geschlossen. Laut ihnen hätte eine normale Weiterführung des Unterrichts nur wenig Einfluss auf den Verlauf der Epidemie im Land gehabt.

Jetzt doppelt die Gesundheitsbehörde nach: Dass man die 5. bis 10. Klassen nicht mehr in die Schule liess, könnte sogar kontraproduktiv gewesen sein. Abgeschlossene Studien dazu habe man zwar noch keine, aber mehrere Anhaltspunkte, erklärte Camilla Stoltenberg, Direktorin der norwegischen Gesundheitsbehörde. Jugendliche seien «schwer zu kontrollieren», wenn ihnen Tagesstrukturen wie die Schule fehlten. «Es ist wahrscheinlich, dass sie dadurch zur Ausbreitung der Ansteckungen beitragen konnten», sagte Stoltenberg.

Regierungschefin verteidigt die Jugendlichen

Regierungchefin Erna Solberg wies dies zurück: Es gebe keine Daten, die dies belegten. «Ich glaube, die Kinder in Norwegen haben sich unglaublich gut benommen», sagte Solberg.

Kritik an den Jugendlichen gibt es allerdings auch in Dänemark. Kaare Mölbak, Direktor des nationalen Epidemie-Forschungsinstituts, echauffierte sich jüngst darüber, dass Jugendliche glaubten, «Covid-19 sei kein Problem für sie». Die Ansteckungen unter Teenager waren in Dänemark zuvor merklich angestiegen.

Als die dänische Regierung am Freitag ihren Öffnungsplan vorstellte, gehörten Gymnasien und Berufsschulen zu den grossen Verlierern. Sie bleiben bis zum Sommer geschlossen.

Die Färöer spielen wieder Fussball

Keine Probleme mit der Öffnungsphase haben dagegen die zwischen Norwegen und Island gelegenen Färöer-Inseln. Die Regierung in der Hauptstadt Tórshavn hat am Wochenende gemeldet, das Land sei frei von Coronainfektionen, alle 187 Erkrankten sind geheilt, Todesfälle habe es keinen einzigen gegeben. Die Inselgruppe hat weltweit proportional am meisten Tests durchgeführt. Am Samstag ist die färöische Fussballliga als erste Europas gestartet. Die fünf Meisterschaftsspiele fanden jedoch vor leeren Rängen statt.

Meistgesehen

Artboard 1