Einem Bericht des südkoreanischen Fernsehsenders YTN zufolge ging das Militär nicht davon aus, dass der verfeindete Süden das Ziel des nordkoreanischen Manövers war. Ein Militärsprecher sagte dem Sender, rund 20 Granaten seien offenbar nördlich der umstrittenen Seegrenze in nordkoreanischen Gewässern niedergegangen.

Auf der Insel Yeonpyeong verschanzten sich die verbliebenen Bewohner den Angaben zufolge in Luftschutzbunkern. Nordkorea hatte am Dienstag dutzende Granaten auf die südkoreanische Insel abgefeuert. Dabei wurden zwei südkoreanische Soldaten und zwei Zivilisten getötet, 18 Menschen wurden verletzt.

Südkorea erwiderte den Beschuss, versetzte seine Streitkräfte in höchste Alarmbereitschaft und kündigte die Verstärkung der Truppen an der innerkoreanischen Grenze an, die bereits jetzt die am stärksten bewachte der Welt ist.

Nordkorea verschärft Rhetorik

Am Sonntag wollen Südkorea und die USA gemeinsam ein Militärmanöver nahe der koreanischen Seegrenze abhalten. Zu dem amerikanisch-südkoreanischen Manöver wird auch der atombetriebene Flugzeugträger "USS George Washington" im Gelben Meer erwartet. Die Übung findet nur rund 110 Kilometer südlich der beschossenen Insel statt.

Nordkorea warnte den Süden und die USA am Freitag abermals in vor der angekündigten gemeinsamen Militärübung. Das See- und Luftmanöver der "amerikanischen Imperialisten und ihrer südkoreanischen kriegstreiberischen Marionette" werde die koreanische Halbinsel "an den Rande des Krieges" bringen, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur KCNA aus einer offiziellen Erklärung.

Das chinesische Aussenministerium warnte die USA und Südkorea seinerseits vor einem Eindringen in seine Hoheitsgewässer. Im Gelben Meer erstreckt sich auf einer Breite von bis zu 200 Seemeilen eine chinesische Sonderwirtschaftszone. China beansprucht auf dem Gebiet die alleinige Nutzung der Ressourcen.