Frankreich

Noch eine Klimakonferenz? Nicht ganz

Emmanuel Macron

Emmanuel Macron

Am «One Planet»-Gipfel von Gastgeber Macron ging es «einzig um Konkretes».

Es ist bitter kalt auf der Insel in der Seine, die Motoren der schwarzen Limousinen brummen in Wartestellung. Der grösste Jeep ist der mit der US-Flagge – obwohl die Amerikaner nur einen minderen Botschaftsvertreter an den One Planet Summit im neuen Konzertgebäude von Boulogne-Billancourt südwestlich von Paris geschickt haben.

Emmanuel Macron wollte an die Pariser COP21 im Jahre 2015 anschliessen. Nach zwei Jahren fällt die Bilanz dürftig aus, zumal die USA aus dem dort beschlossenen Klimavertrag ausgestiegen sind. Vom grossen Ziel der COP21, die Erderwärmung «deutlich unter 2 Grad Celsius» zu halten, ist der Planet «weit entfernt», wie Weltbankvorsteher Jim Yong Kim erklärte. Vor allem räumte er ein, die Finanzierung der Gegenmassnahmen komme «kaum vom Fleck». Die mit der UNO und der Weltbank organisierte One-Planet-Konferenz, von bösen Zungen auch «Macron-Show» genannt, war deshalb vor allem der Finanzierung gewidmet. Statt schöner Worte und zwischenstaatlicher Abkommen sei einzig «Konkretes» angesagt, sagt Macron.

Der Präsident machte selbst keine neuen Zusagen. Das offenbarte auch die Widersprüche der Europäer. Kürzlich noch plädierte der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire für die Einführung einer europäischen Finanztransaktionssteuer, die bis zu 22 Milliarden Euro für «grüne» Projekte mobilisieren soll. Macron bremste aber in Boulogne selbst: Er will die Attraktivität des Finanzplatzes Paris erhalten und nach dem Brexit die City-Finanz an die Seine locken. Dafür machte Macron erfolgreich Druck auf heimische Firmen, sich «klimaaktiver» zu verhalten.

Über Frankreich hinaus kündigten Stiftungen wie etwa die von Bill Gates an, sie würden in Zukunft über fünf Prozent «grüne» Projekte fördern. Führende Fonds wie HSBC, Black Rock oder Calpers wollen bei ihren Investitionen neu auch Transparenz bei den Umweltrisiken herstellen. Letztere belasten, wenn offen gelegt, notgedrungen die langfristigen Gewinnerwartungen der betroffenen Unternehmen. Für Umweltsünder wie Coal India, Gazprom, Exxon oder China Petroleum, aber auch für Zulieferer aus ganz anderen Branchen wird Kredit damit bedeutend teurer, was eine Dynamik hin zu den «grünen» Industrien auslösen soll.

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