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Neuseelands Ministerpräsidentin Jacinda Ardern feiert Sieg über das Coronavirus: «Diese Schlacht haben wir gewonnen»

Premierministerin Jacinda Ardern.

Premierministerin Jacinda Ardern.

Der Inselstaat hat die Coronakrise überstanden. Trotzdem ist die Wiederwahl der gehypten Regierungschefin unsicher.

Wenn Australier fordern, dass ihr Land vom Nachbarn Neuseeland annektiert werden soll, muss etwas Ausserordentliches geschehen sein. Die beiden Inselstaaten stehen sich in normalen Zeiten rivalisierend gegenüber. Und trotzdem ist der Neid der Australier auf den kleinen Nachbarn derzeit riesig.

Der Grund: Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern. Wie die 39-Jährige ihr Land durch die Coronakrise führt, sorgt weltweit für Aufsehen. Die Zeitschrift «The Atlantic» nannte sie die «effizienteste Politikerin der Welt». Neun von zehn Neuseeländern unterstützen ihren Coronakurs.

Dass dieser äusserst wirksam ist, zeigen die jüngsten Zahlen: Nur 1472 Infizierte und 19 Todesfälle bei knapp fünf Millionen Einwohnern. Das verleitete Jacinda Ardern am Montag zur Äusserung: «Es gibt keine grossflächige Übertragung in Neuseeland. Diese Schlacht haben wir gewonnen.» Das Land befindet sich seit gestern nach fünf Wochen im Lockdown «nur» noch in der zweithöchsten Alarmstufe.

Die Sozialdemokratin, die im Oktober 2017 als jüngste Premierministerin des Landes ihr Amt antrat, scheint in Ausnahmesituationen über sich hinauszuwachsen. Das zeigte sich auch in der bis vor Covid-19 grössten Krise Neuseelands: Nach dem Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch mit 51 Toten wählte sie im März 2019 bedächtige Worte: «They are us» («Sie sind wir»), rief Ardern ihren Mitbürgern in Erinnerung. Damit meinte sie die muslimischen Opfer und stellte klar, dass der rechtsextreme Attentäter, dessen Name die Premierministerin bis heute nicht ein einziges Mal erwähnt hat, keinen Keil zwischen die Gesellschaft treiben wird. Statt sich mit harten Worten an den Täter zu richten, zeigte sie sich mit Kopftuch am Tatort, hörte den Opfern zu und spendete Trost.

Das leere Versprechen von den billigen Häusern

Doch auch bei Ardern ist nicht alles Gold, was glänzt. Im eigenen Land muss sie in der Tagespolitik immer wieder Kritik einstecken, etwa für die inkonsequente Umsetzung ihrer Wahlversprechen. Beispiel sind die 100'000 preisgünstigen Häuser, welche ihre Labour-Regierung als Massnahme gegen die explodierenden Immobilienpreise innerhalb von zehn Jahren bauen lassen wollte. Im ersten Jahr sind gerade mal 50 Häuser gebaut worden.

Im September sind Wahlen in Neuseeland. Die erste Wahlumfrage – noch vor der Coronakrise – positionierte Arderns Labour-Partei und die konservative National-Partei beinahe gleichauf. Entscheidend wird sein, ob Ardern die massiven wirtschaftlichen Probleme, welche die Massnahmen gegen das Virus verursachen, in den Griff kriegen wird.

Klar ist: Will die «effizienteste Politikerin der Welt» eine zweite Amtszeit, muss sie weiterhin in Hochform bleiben.

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