Washington

Neues Bibel-Museum: 500 Millionen für das Wort Gottes aus den USA

Am Freitag eröffnet in der US-Hauptstadt Washington ein neues Bibel-Museum. Ein Versuch, das politische Machtzentrum zu bekehren?

Aus seiner Religiosität macht Steve Green kein Geheimnis. Seiner Meinung nach ist die Bibel das Wort Gottes und muss deshalb wörtlich genommen werden. Das ist ganz getreu der Doktrin der Baptisten-Kirche, an deren Gottesdienst der unprätentiös auftretende Geschäftsmann regelmässig teilnimmt. Green, dessen Familie die amerikaweit tätige Ladenkette «Hobby Lobby» besitzt, spricht in diesem Zusammenhang von einer «biblischen Weltanschauung» – ähnlich wie sein Vater David Green sie habe: Er versuchte stets, seinen protestantischen Glauben mit seinen kapitalistischen Fertigkeiten in Einklang zu bringen.

Umso überraschender ist deshalb die Ankündigung Greens, dass sein Bibel-Museum, das diesen Freitag in Washington eröffnet wird, «nicht konfessionsgebunden» sei. Im Gespräch doppelt Green nach. Der Unternehmer sagt: «Wir laden alle Menschen dazu ein, sich ein Bild von der Bibel zu machen und sich mit dem Buch auseinanderzusetzen», ganz egal, welchem Glauben sie nachgingen. Das Museum wolle niemanden bekehren und zu einem Protestanten machen, sondern die Geschichte des meistgedruckten Buches erzählen.

Jesus in Washington

Ähnlich drückt sich Lawrence Schiffman aus, ein Judaistik-Professor an der New York University, der dem «Museum of the Bible» beratend zur Seite steht. Schiffman sagt, während er vor einem Schaukasten mit Fragmenten der Schriftrollen vom Toten Meer steht: «Wir wollen nicht predigen.»

Dies klingt nach einem schier unmöglichen Balanceakt. Schliesslich ist die Heilige Schrift unverkennbar mit den beiden Weltreligionen Judentum und Christentum verbunden. Das neue Museum versucht diesen Anspruch dennoch auf sieben luftigen Stockwerken zu erfüllen – mit Ausstellungen über die Geschichte und Verbreitung der Bibel. In der «Welt des Jesus von Nazareth» wird beispielsweise versucht, den langjährigen Wohnort des Messias nachzustellen, Olivenbäume und Vogelgezwitscher inbegriffen. Andernorts ist eine Bibel zu sehen, die sich im Besitz von Elvis Presley befand. Überall wird modernste Technik eingesetzt, um die Besucher zu informieren und zu unterhalten. 500 Millionen Dollar soll der Umbau des Gebäudes gekostet haben.

Kritiker allerdings geben sich mit den Bemühungen des Museumsteams, das durch den ehemaligen Hochschul-Direktor Tony Zeis geleitet wird, nicht zufrieden. Die beiden Hauptvorwürfe an Steve Green, der an der Spitze des Stiftungsrates des «Museum of the Bible» steht und das Projekt hauptsächlich finanziert hat: Erstens spiele der Museumsinitiator mit falschen Karten, versuche die schwerreiche Familie Green doch das in der Verfassung verbriefte Recht auf freie Religionsausübung umzudeuten. Und zweitens habe Green bei der Beschaffung von Ausstellungsgegenständen gegen Standesregeln verstossen.

Den ersten Vorwurf pariert Green mit einem Hinweis auf seine Wurzeln in der Geschäftswelt. Dass das Museum ausgerechnet in Washington eröffnet wurde, im Zentrum der politischen Macht, hänge damit zusammen, dass die Hauptstadt für ihre Ausstellungen und Sammlungen weltweit bekannt sei, sagt er. «Hobby Lobby pflegt neue Filialen in der Nähe von grossen Geschäften zu eröffnen, die gut laufen.» Er sei deshalb ähnlich vorgegangen, als er den Standortentscheid für das «Museum of the Bible» habe fällen müssen. Im Rennen waren auch Dallas und New York.

Koran hat keinen Platz

Die Nähe zum amerikanischen Parlamentsgebäude sei nun aber ein angenehmer Nebeneffekt. Er finde, die amerikanischen Volksvertreter täten gut daran, das Buch zu studieren, «auf dessen Grundlage das Land erschaffen wurde», sagt Green. Es sind solche Sätze, die den Bibel-Forscher Joel Baden in seinem Verdacht bestätigen, dass das Museum den Anspruch, «nicht konfessionsgebunden» zu sein, kaum erfüllen werde. Green sei nun mal ein Protestant und stark geprägt von seiner Kirche, sagt Baden. Deshalb kämen in dem Museum Glaubensrichtungen wie der Islam zu kurz, obwohl diese nachweislich von der Bibel beeinflusst worden seien. Greens Antwort: «Wir sind ein Bibel-Museum und kein Koran-Museum.»

Der zweite Vorwurf an Steve Green betrifft die umstrittenen Methoden, mit denen der Museumsgründer seinem Hobby nachgeht. Green räumt ein, ein spätberufener Sammler zu sein. 2009 habe er erstmals ein biblisches Artefakt erstanden. Seither aber hat er Millionen von Dollars ausgegeben, um sich mit mehr als 40'000 Sammlerstücken einzudecken.

Nur ein Bruchteil dieser Gegenstände ist allerdings im Bibel-Museum in Washington ausgestellt – auch weil sich Green bei der Beschaffung dieser Artefakte nicht immer an Gesetze und Auflagen gehalten hat. «Wir haben Fehler gemacht», räumt Green ein, auch weil er naiv gewesen sei. Vorläufig sind deshalb im Bibel-Museum nur etwa 2 800 Gegenstände aus der Green-Kollektion ausgestellt – Gegenstände, deren Herkunft mehr oder weniger klar belegbar ist. «Wir wollen den Standards genügen, die in der Museumswelt herrschen», sagt der Museumsinitiator.

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