36,2 Prozent stimmten demnach dagegen. Die Wahlbeteiligung lag bei nur knapp 33 Prozent der insgesamt rund 52 Millionen Wahlberechtigten. Der im Schnellverfahren von der von Islamisten dominierten Verfassungsgebenden Versammlung abgesegnete Text soll die alte Verfassung aus der Ära des 2011 gestürzten langjährigen Staatschefs Husni Mubarak ersetzen.

Die Verfassung gibt den religiösen Rechtsgelehrten künftig mehr Einfluss auf die Gesetzgebung und wird von Liberalen, Linken und Christen heftig kritisiert. Die Opposition bemängelt, dass die vielfach vagen Bestimmungen des Texts die Bürgerrechte nicht ausreichend garantierten und einer weiteren Islamisierung des Rechts den Weg bereiteten.

Die Opposition sieht sich in dem Verfassungstext nicht repräsentiert. Deshalb hatte es in den vergangenen Wochen immer wieder heftige Proteste und zum Teil tödliche Krawalle gegeben.

Sieg für Mursi

Nach dem Referendum meldete das grösste Oppositionsbündnis zahlreiche Regelverstösse und Fälle von Betrug. Es kündigte an, das Ergebnis anfechten zu wollen. Der Vorsitzende der Wahlkommission, Samir Abu al-Maati, wies die Vorwürfe der Opposition zurück, teilweise hätten falsche Richter die Abstimmungen überwacht.

Die USA riefen Gegner und Befürworter der Verfassung auf, die Spaltung des Landes zu überwinden. Dies sei dringend nötig und Präsident Mohammed Mursi habe in dieser Frage eine besondere Verantwortung, sagte ein Sprecher des Aussenministeriums am Dienstag in Washington. Zudem verwies er auf beträchtliche Sorgen, die der Verfassungsprozess vielen Ägyptern bereitet habe.

Die Billigung der Verfassung gilt als ein Sieg für Mursi und seine Muslimbrüder. Die regierenden Islamisten hatten bereits direkt im Anschluss an die beiden Abstimmungsrunden am 15. und 22. Dezember den Sieg für sich reklamiert.

Parlamentswahlen in zwei Monaten

Angesichts der fragilen Wirtschaft dürfte Mursi aber wenig Zeit haben, seinen Sieg beim Referendum zu feiern. Nach Einschätzung von Ökonomen muss der Staatschef zügig handeln, um das immense Haushaltsdefizit mit Hilfe von Sparmassnahmen unter Kontrolle zu bringen. Am Montag hatte die Ratingagentur S&P die Bonität des bevölkerungsreichsten arabischen Landes gesenkt.

Die Parlamentswahlen sollen nun in rund zwei Monaten abgehalten werden. Das erste nach dem Sturz von Mubarak gewählte Unterhaus war im Sommer von einem Gericht aufgelöst worden. Darin hatten die Islamisten eine deutliche Mehrheit.

Am Mittwoch soll aber zunächst der Schura-Rat, das Oberhaus im Parlament, zu seiner ersten Sitzung zusammenkommen. Mursi hatte erst am Wochenende das noch fehlende Drittel der 270 Mitglieder der zweiten Parlamentskammer ernannt.

Zwei Drittel der Mitglieder hatten ihr Schura-Mandat bei den Wahlen zu Jahresbeginn 2012 errungen. Die Schura soll so lange Gesetze beschliessen, bis ein neues Parlament gewählt ist. (sda)