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Nazi-Massenmörder Rauff arbeitete für Geheimdienst

Der SS-Standartenfuehrer Walther Rauff, Mitte, kurz nach seiner Festnahme durch die Allierten am 21. Januar 1945 in Mailand

Der SS-Standartenfuehrer Walther Rauff, Mitte, kurz nach seiner Festnahme durch die Allierten am 21. Januar 1945 in Mailand

Ein Mitverantwortlicher am Juden-Massenmord unter Hitler stand laut einem Medienbericht jahrelang im Dienst des Bundesnachrichtendienstes (BND). Der ehemalige SS-Offizier Walther Rauff verantwortete die Entwicklung und den Einsatz von Gaswagen.

Bodo Hechelhammer, Leiter der Forschungs- und Arbeitsgruppe "Geschichte des BND" sagte der Onlineausgabe der "Bild"-Zeitung: "Walther Rauff war von 1958 bis 1962 als nachrichtendienstliche Verbindung für den BND in Südamerika tätig. Insgesamt bekam er dafür mehr als 70'000 D-Mark Honorar."

Die Geheimdienst-Akte zu Rauff umfasst nach Informationen von Bild.de rund 900 Seiten und war bislang strenggeheim. Rauff, der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Südamerika geflohen war, wurde demnach am 25. Oktober 1958 als Agent unter dem Decknamen "Enrico Gomez" angeworben.

Monatlich erhielt Rauff 2000 D-Mark Honorar. Wegen "mangelhafter Leistung" kürzte der BND die Bezahlung 1962 um die Hälfte. Angeworben wurde der Nazi-Verbrecher durch den BND-Mitarbeiter Wilhelm Beissner (alias "Bertram"). Beide kannten sich aus gemeinsamen Zeiten im Reichssicherheitshauptamt.

"NS-Seilschaft im BND"

Rauff wiederum setzte für seine Spionageaufträge ebenfalls ehemalige SS-Leute ein. Der Historiker Martin Cüppers von der Forschungsstelle Ludwigsburg der Uni Stuttgart sagte Bild.de: "Die Dokumente zeigen, dass sich hier eine ganze NS-Seilschaft im BND bildete."

Zweimal erhielt der Nazi-Mörder nach Informationen von Bild.de nachrichtendienstliche Schulungen vom BND in der Bundesrepublik, zuletzt im Februar 1962, als bereits ein deutscher Haftbefehl gegen ihn bestand. Als Rauff im Dezember 1962 aufgrund eines deutschen Auslieferungsersuchens in Chile verhaftet wurde, schaltete der BND "Enrico Gomez" wegen "mangelnder politischer Übersicht" ab.

Chiles Oberster Gerichtshof lehnte eine Auslieferung des SS-Schergen ab und liess ihn im April 1963 frei. Vom BND erhielt Rauffs Familie laut Bild.de danach noch einmal 3200 D-Mark als Zuschuss für Anwaltskosten.

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