Augenzeugenbericht

Navy Seal-Augenzeuge: «Bin Laden wollte sich nicht wehren»

Osama bin Laden zum Verhängnis (Archiv)

Osama bin Laden zum Verhängnis (Archiv)

Wie starb Osama Bin Laden? Ein ehemaliger Navy Seal schildert in einem Buch die letzten Minuten des Al-Kaida-Chefs. Und macht klar: Bin Laden wollte sich am Ende gar nicht mehr wehren. Er war wohl sehr rasch tot.

Das Haus, in dem Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden am 2. Mai 2011 im pakistanischen Abbottabad sein Ende fand, ist inzwischen abgerissen worden. Es sollte nicht zum Wallfahrtsort von Radikalislamisten werden, entschied die pakistanische Regierung. Bin Laden schien vergessen. Doch jetzt hat ein ehemaliger Navy Seal des US-Kommandos, das Bin Laden bei der Nacht-und-Nebel-Aktion zur Strecke brachte, ein Buch über die Operation publiziert.

Als Verfasser firmiert ein gewisser Mark Owen. Dessen wahre Identität wurde vom US-Sender «Fox News» als Matt Bissonnette aufgedeckt. Unter dem Titel «Kein einfacher Tag» räumt Owen/Bissonnette mit so ziemlich allem auf, was bisher von offizieller Stelle über die Operation bekannt geworden ist. «Die Kommandooperation wurde wie ein schlechter Actionfilm dargestellt», heisst es in dem Buch, das von der «Huffington Post» als Vorabdruck veröffentlicht wurde. «Auf den ersten Blick wirkte das lustig, weil es so falsch war.» Owen/Bissonnette schreibt, Bin Laden sei unbewaffnet gewesen und habe – entgegen früheren Darstellungen – keine Gegenwehr geleistet. Er sei von den Navy Seals kaltblütig niedergestreckt worden.

Alles ging sehr schnell. Ein Mann habe aus einer Tür geblickt, so Owen/Bissonnette. «Kurz bevor wir oben ankamen, hörte ich gedämpfte Schüsse», schreibt er. «Von meiner Stelle aus konnte ich nicht sagen, ob die Schüsse das Ziel trafen. Der Mann verschwand im dunklen Zimmer.» Die Seals warteten einen Moment, bevor sie das Zimmer betraten, wo zwei Frauen über dem zuckenden Körper von Bin Laden wehklagten.

Kein Selbstmord

Verschiedene Medien deuteten Owen/Bissonnettes Darstellung als Selbstmord von Bin Laden. Während sich die Elitesoldaten die enge Treppe hoch schlichen, habe er sich demnach mit der eigenen Waffe gerichtet. In dem Zimmer seien zwar zwei Feuerwaffen gefunden worden, aber keine Munition. Es dürfte sich somit kaum um Selbstmord gehandelt habe.

Gemäss Owen/Bissonnette hatten bereits die ersten Schüsse den Kaida-Chef tödlich getroffen. Aus einer Seite des Schädels quollen Blut und Gehirnmasse. Bin Laden lag bereits im Todeskampf, da feuerten zwei Seals aus nächster Nähe auf dessen Brust, bis sich der Körper nicht mehr bewegte. «Er hatte nicht die Absicht, zu kämpfen», heisst es in dem Buch. Allerdings hatte Owen/Bissonnette auch nicht mit Gegenwehr gerechnet. «Von seinen Anhängern hatte er stets Selbstmordattacken verlangt. Aber er selbst griff nicht einmal nach seiner Waffe. Das ist allerdings eine Phänomen, dem ich bei meinen Einsätzen schon öfter begegnet bin.»

Owen/Bissonnette räumt auch auf mit der Behauptung, es habe ein 40-minütiges Gefecht gegeben. Ebenso mit der Behauptung, dass Bin Laden noch Zeit gehabt habe, «uns in die Augen zu blicken». Barack Obama dankt er dafür, dass er grünes Licht für die Operation gab, kritisiert aber, der Präsident brüste sich damit, Bin Laden getötet zu haben.

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