14. Juli

Nationalfeiertag in Zeiten von Corona: Eine verkümmerte Parade im unglücklichen Frankreich

Frankreich würdigt Pflegekräfte am Nationalfeiertag

Frankreich würdigt Pflegekräfte am Nationalfeiertag

Am 14. Juli feiert Frankreich seinen Nationalfeiertag. Doch dieses Jahr fällt er anders aus. Statt Tausende Zuschauer auf dem Platz befinden sich nur noch geladene Gäste. Der "Place de la Concorde" wurde abgeriegelt und die Bürger konnten die Zeremonie nur live im Fernsehen verfolgen. Macron hat den heutigen Tag genutzt, den Pflegekräften, den Lehrkräften, dem Bestattungspersonal, den Feuerwehrleute und den Sicherheitskräfte zu danken.

Coronabedingt musste Frankreich an seinem Nationalfeiertag ohne die obligate Truppenparade auskommen. Geehrt wurde die Schweiz.

Es schien ein unverrückbares, ewiggleiches Ritual: Am 14. Juli feierte Frankreich seinen republikanischen Widerstandswillen mit einer Militärparade vor zehntausenden von Zaungästen entlang der Pariser Champs-Elysées. Nach den Tanzbällen am Vorabend endete der «Quatorze Juillet» jeweils mit einem Feuerwerk vor der grandiosen Kulisse des Eiffelturms. Dann entliess der Staatschef seine Mitbürgerinnen und Mitbürger mit ein paar gewählten Worten in die verdienten Sommerferien, begleitet comme il faut vom Ende der Tour de France.

2020 ist alles anders

Kurz, es war das Ritual eines glücklichen Landes. 2020 ist alles anders. Am Dienstagmorgen war die Prachtavenue der «Champs» gähnend leer. Wegen der Ansteckungsgefahr beschränkte die Staatsführung die Zeremonien auf den Place de la Concorde. Dort gab es nur eine verkümmerte – im Fachjargon: statische – Parade. Galauniformierte Einheiten drehten mit Sicherheitsabstand eine Runde vor der Ehrentribüne; dünn gesäte Flugzeugstaffeln brausten über den grössten Platz der Hauptstadt.

Zahlreicher waren Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte, aber auch andere Berufsgattungen von der Coronafront – Kassiererinnen, Reinigungsequipen, Feuerwehrleute. Ihnen war der diesjährige Nationalfeiertag gewidmet. Zu Ehren der 30 000 Coronatoten in Frankreich übertönte schwere Blasmusik die publikumslose Stille.

Ein Dank an Bundesrat Alain Berset

Präsident Emmanuel Macron dankte persönlich den anwesenden Vertretern der Schweiz – durch Bundesrat Alain Berset vertreten –, Deutschlands, Österreichs und Luxemburgs, die anfangs April zahlreiche Notfallpatienten aus dem hart getroffenen Elsass aufgenommen hatten. Kleine Militärdelegationen der vier Länder beteiligten sich an dem Umzug, der sich erstmals seit vierzig Jahren nicht über Champs-Elysées bewegte.

Gewiss, vormalige Staatspräsidenten wie Valéry Giscard d’Estaing (1974 bis 1981 im Amt) hatten die Truppenparade auch schon von der schnurgeraden Prachtstrasse an andere Pariser Orte wie etwa den Bastille-Platz verlegt. Aber noch nie musste sich die Nation mit einem Mini-Défilé wie 2020 begnügen; noch nie fanden die abendlichen Festivitäten für das Pariser Volk unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Sogar die Tour de France, die sonst wochenlang Postkartenbilder aus dem Reiseland in die ganze Welt ausstrahlt, ist akut gefährdet. Im besten Fall soll das Radrennen im September stattfinden. Also nicht wie üblich zum Ferienbeginn, sondern zur Rückkehr in die Schule oder an den Arbeitsplatz.

900000 Jobs in Gefahr

Und diese Rückkehr wird besonders schwierig. Eine Entlassungswelle droht, dazu eine zweite Covid-19-Welle. Macron räumte am Dienstag in einem Fernsehinterview ein: «Ja, es gibt Zeichen, dass es wieder beginnt.» Aus diesem Grund will Macron in geschlossenen öffentlichen Räumen – von Kinos über Restaurants bis zu Ämtern – auf den 1. August wieder eine generelle Maskenpflicht einführen. Noch düsterer sind die wirtschaftlichen Aussichten: Macron räumte ein, dass 900 000 Arbeitsplätze gefährdet seien.

Zum Thema Rentenreform meinte der Präsident, er halte zwar an ihrem Prinzip fest; Regierung und Sozialpartner sollen aber noch diese Woche eine «neue» Auslegeordnung vornehmen. Ohne es klar zu sagen, schiebt Macron seine hoch umstrittene Reform damit auf die lange Bank.

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