Mordkommando, Folter, Zerstückelung: Was sich am 2. Oktober hinter den Türen des saudiarabischen Konsulats in Istanbul abgespielt haben soll, gleicht einem schlechten Krimi. Doch für Erich Gysling ist klar, dass die schrecklichen Ereignisse real sind. «Diese Horror-Geschichte muss echt sein», erklärt der Nahost-Experte gegenüber «Talk Täglich»-Moderator Hugo Bigi und fügt an: «Ich bin fest davon überzeugt, dass das tatsächlich passiert ist.»

Auch die aktuelle Beweislage, etwa die Einreise zahlreicher Leibwächter des saudischen Kronprinzen am selben Tag wie Khashoggis Besuch im Konsulat, lasse den Verdacht des Mordes am regierungskritischen Journalisten erhärten. «Vier der 15 Verdächtigen», so Gysling, «stammen aus dem unmittelbarsten Umfeld von Mohammed bin Salman. Da glaubt wohl niemand mehr, der Kronprinz hätte vom Verschwinden des Journalisten nichts gewusst.»

Warum Khashoggi mutmasslich durch die saudische Regierung beseitigt wurde, macht Gysling im Gespräch an mehreren Faktoren fest. Einerseits käme der verschwundene Journalist aus einer ganz bedeutenden Familie, die unter anderem in den Neunzigerjahren den Waffendeal mit den USA eingefädelt hat. Auch sei die Familie ausserhalb des Königshauses eine der einflussreichsten des Landes. Gysling: «Khashoggi ist ein Repräsentant einer ganz bestimmten Schicht innerhalb des Königreiches, einer Schicht, die immer kritisch gegenüber der extrem konservativen Geistlichkeit und den Repressionen durch das Königshaus ist.»

Ein Gutes habe die schreckliche Geschichte, die sich in der türkischen Hauptstadt mutmasslich abspielte, erklärt Gysin. «Die internationale Gemeinschaft verschafft sich nun endlich Klarheit über die Brutalität, zu der das saudische Regime bereit ist.» Diese existiere bereits seit Jahren, nämlich seit Kronprinz Mohammed bin Salman an der Macht ist. (luk)

Die ganze «Talk Täglich»-Sendung mit Nahost-Experte Erich Gysling können Sie hier nachschauen: 

Das mysteriöse Verschwinden eines Journalisten

Das mysteriöse Verschwinden eines Journalisten

Wurde der Journalist im Konsulat ermordet? – Der saudische Regimekritiker Jamal Khashoggi hat als Kolumnist für die «Washington Post» gearbeitet.