Coronavirus

Nachdem die Schweiz Corona-Kranke aus dem Elsass aufnahm: Nun bedankt sich Frankreich

Coronapatienten aus Strassburg wurden mit dem Zug ins Ausland evakuiert. (Bild: Keystone)

Coronapatienten aus Strassburg wurden mit dem Zug ins Ausland evakuiert. (Bild: Keystone)

Mehrere Schweizer Kantone, darunter der Aargau, haben am Wochenende Corona-Patienten aus dem Elsass aufgenommen. Frankreichs Armeeministerin bedankte sich hochoffiziell.

Die Schweizer Solidarität mit dem grenznahen Elsass wird mitten in der Coronakrise immer stärker. Zwanzig französische Coronapatienten liegen mittlerweile in Spitälern vor allem der Nordwestschweiz und der Romandie. Dies teilte der französische Botschafter in Bern, Frédéric Journes, am Samstagabend mit.

Die Patienten verteilen sich auf Kliniken in den beiden Kantonen Basel und im Aargau. Dazu kommen die fünf Westschweizer Kantone Neuenburg, Jura, Freiburg, Genf und Waadt. Am Samstagabend transportierte ein NH90-Helikopter der französischen Armee zum dritten Mal Schwerkranke von Mulhouse nach Genf. Verteidigungsministerin Florence Parly twitterte am Sonntagmorgen „ein riesiges Dankeschön an die Schweiz, dass sie sich mobilisiert, um unsere Landsleute aufzunehmen und zu pflegen“.

Aargauer Bevölkerug durch Hilfe im Elsass nicht benachteiligt

Vor allem die Städte Mulhouse, Strassburg und Colmar haben sich seit einer evangelischen Feier im Februar, bei der das Virus kursierte, schlagartig zu den schlimmsten Virusherden Frankreichs entwickelt. Nach einer neuen Bilanz von Samstag sind im Elsass 757 Menschen an Covid-19 verstorben. Noch mehr, nämlich 786 Patienten, müssen derzeit in Intensivstationen beatmet werden.

Da die regionalen Spitäler mit dem Andrang nicht mehr zuschlage kommen, ist die Region dringend auf die Hilfe aus dem nahen Ausland angewiesen. In der Deutschschweiz waren es zuerst das Universitätsspital Basel und das Kantonsspital Baselland, gefolgt vom Kantonsspital Aarau. Dort werden seit Samstag zwei Patienten aus Colmar versorgt. Sie werden intubiert und voraussichtlich mehrere Tage in der Intensivstation betreut.

Der Kanton Aargau reagierte damit auf ein Hilfegesuch Frankreichs. Auch aus dem Tessin würden Patienten aufgenommen, liess der Aargauer Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati mitteilen. Die Aargauer Bevölkerung - mit derzeit rund 400 Infizierten - werde dadurch nicht benachteiligt.

Franzosen nehmen Schweizer Patienten keine Betten weg

Die Kantonsregierung beugt damit allfälligen Debatten über die Aufnahme ortsfremder, teils ausländischer Patienten vor. In den Kommentarspalten der „Aargauer Zeitung“ wurde am Wochenende gefragt, was geschehe, wenn einmal die Schweizer Spitäler überlastet seien: „Werden dann Schweizer zugunsten von Franzosen ausgesondert?“ Der Gegeneinwand lautet: „Wir haben zur Zeit freie Betten!“ Auch sei die Beatmungsdauer absehbar. Im Elsass liegt sie im Durchschnitt bei zwei bis drei Wochen. Eine weitere Kommentarstimme meinte sogar, die Schweiz sollte mehr als nur „eine kleine Zahl“ französischer Patienten aufnehmen, wenn sie schon „tausende von Gesundheitsfachkräften aus Frankreich“ beschäftige.

Eine ganz ähnliche Debatte entwickelt sich auch in Deutschland, wo nicht nur das rechtsrheinische Bundesland Baden-Württemberg Elsässer aufgenommen hat. Nordrhein-Westfalen betreut seit am Sonntag mehrere Patienten aus der Region „Grand Est“ (Elsass, Lothringen, Champagne und die Ardennen) sowie aus dem italienischen Krisenherd Bergamo. Auf Twitter wird der proeuropäische Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, aufgefordert, er solle der „Angst“ vorbeugen, dass „nicht genug Plätze für alle hier vorrätig“ seien. Andere deutsche Kommentare begrüssen die Aufnahme französischer Patienten: „Wurde ja auch mal Zeit, nachdem andere Staaten, die nicht mal zur EU gehören, Italien bereits geholfen haben.“ Gemeint war wohl weniger die Schweiz als die medizinische Hilfe für Italien aus China und Kuba.

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