Sexueller Missbrauch

Nach Verhaftung von Epsteins Ex-Partnerin: Luft für Prinz Andrew wird dünn

London 2001: Prinz Andrew mit der 17-jährigen Virginia Roberts, rechts Ghislaine Maxwell.

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Die Ex-Partnerin von Sexualstraftäter Jeffrey Epstein könnte den britischen Royal der Justiz ans Messer liefern. Und nicht nur ihn.

Früher gehörte New York zu den liebsten Reisezielen von Prinz Andrew, dem Lieblingssohn von Königin Elizabeth II. Damit ist es vorbei, seitdem eine Vielzahl von US-Anwälten dem Herzog von York auf den Fersen sind. Diese Woche nun droht dem 60-Jährigen neues Ungemach aus Übersee. Ghislaine Maxwell, die Partnerin des im August 2019 verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, wird diese Woche in New York vor einem Gericht über ihre Rolle bei den mutmasslich hunderten Strafhandlungen mit minderjährigen Frauen aussagen müssen. Epstein war 2019 verhaftet worden und starb unter mysteriösen Umständen in einem New Yorker Gefängnis.

Die Britin Ghislaine Maxwell, mutmassliche Mittäterin bei den Verbrechen und langjährige Freundin von Prinz Andrew, entkam der Justiz bislang. Vergangene Woche wurde sie in einem abgelegenen Anwesen im US-Bundesstaat New Hampshire verhaftet.

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Dass die 58-Jährige nun unter Eid aussagen muss, könnte für Prinz Andrew äusserst unangenehm werden. Denn kaum jemand weiss mehr über die mutmasslichen Machenschaften des Prinzen. Maxwell und Andrew waren so eng befreundet, dass die Verhaftete 2002 gar eine Privatführung im Buckingham-Palace erhielt und dabei im Krönungssaal Ihrer Majestät Platz nahm.

Unbestritten ist: Der millionenschwere Finanzjongleur Epstein versammelte in seinem Umkreis Prominente von Ex-Präsident Bill Clinton bis zum derzeitigen Bewohner des Weissen Hauses Donald Trump. Vor allem aber gingen in seinen Anwesen in Manhattan, Florida und in der Karibik junge Mädchen und Frauen ein und aus – Dutzende, so heisst es in Zeugenaussagen, wurden zum Geschlechtsverkehr gezwungen und als «Sex-Sklavinnen» missbraucht.

«Keinerlei Erinnerung» hat Andrew an dieses Foto

Ghislaine Maxwell soll laut der New Yorker Staatsanwältin Audrey Strauss für die systematische Abrichtung junger Frauen und die «Verführung Minderjähriger» verantwortlich gewesen sein. Die sechs Anklagepunkte beziehen sich auf die Jahre 1994 bis 1997 und könnten 35 Jahre Haft zur Folge haben – es sei denn, Maxwell entschliesst sich zu einem Deal mit den Strafverfolgern und legt ihre Kenntnisse über Epsteins Machenschaften offen. Entschliesst sich Maxwell zu reden, könnte das hohe Wellen werfen – auch im britischen Königshaus.

Denn: Prinz Andrew lieferte bislang nur höchst fadenscheinige Erklärungen für seine Aufenthalte in Epsteins und Maxwells Liegenschaften. «Keinerlei Erinnerung» hat Andrew etwa an die Treffen mit der damals 17-jährigen Virginia Roberts, die eigenen Angaben zufolge mehrmals auf Maxwells Drängen hin mit dem «stark schwitzenden» Prinzen Geschlechtsverkehr haben musste. Das Foto, das die beiden gemeinsam zeigt (siehe oben), bezeichnete er als Fälschung.

Prinz Charles soll kleinen Bruder unter Druck setzen

Virgina Roberts Giuffre gibt sich unbeirrt: «Andrew dürfte Panik schieben», sagte die verheiratete Mutter von drei Kindern am Wochenende einem australischen TV-Sender.

Der Druck auf Andrew steigt derweil enorm. Der Herzog von York müsse sich den Fragen der US-Staatsanwälte stellen, forderte die konservative «Times». Die Zeitung riet Thronfolger Prinz Charles, er solle auf seinen jüngeren Bruder entsprechenden Druck ausüben.

Gegenüber der BBC versuchte sich Andrew jüngst von Maxwell zu distanzieren. Wenn sie vor Gericht aussagen müsse, dann sei das ihr Problem, meinte der Prinz.

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Prinz Andrew legt seine öffentlichen Ämter als Mitglied des britischen Königshauses nieder. Das nach einem umstrittenen Fernsehinterview mit dem Sender BBC. Im Interview ging es um die gegen ihn erhobenen Missbrauchsvorwürfe in der Epstein-Affäre.

Ob diese etwas uncharmante Distanzierung dem Herzog von York noch auf die Füsse fällt? Das glaube sie nicht, hat Maxwells Bekannte Laura Goldman britischen Medien anvertraut: «Ghislaine hat immer zu mir gesagt, sie würde nie über Prinz Andrew aussagen.»

Offenbar hatte sich Andrew Ghislaines Loyalität gesichert, indem er sich nach dem mysteriösen Tod ihres Vaters Robert Maxwell – der in eine Millionen-Betrügerei verwickelte Unternehmer fiel 1991 von seiner Jacht «Ghislaine» – um dessen trauernde Tochter gekümmert hatte.

Die Royal Family – who is who:

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