Steuerhinterziehung/Geldwäsche

Nach «Panama Papers» – jetzt klärt die Schweizer Finanzmarktaufsicht die Lage ab

Der Geschäftssitz der Anwaltsfirma Mossack Fonseca, deren Daten über die Besitzer von Briefkastenfirmen Dutzenden Medien zugespielt wurden.

Der Geschäftssitz der Anwaltsfirma Mossack Fonseca, deren Daten über die Besitzer von Briefkastenfirmen Dutzenden Medien zugespielt wurden.

Steuerhinterziehung, Geldwäsche – das Datenleck bei der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca betrifft auch die Schweiz.

Die Finma, die Schweizer Finanzmarktaufsicht, hat die Medienberichte zum Datenleck einer panamaischen Anwaltskanzlei zur Kenntnis genommen, wie sie auf Anfrage der «Nordwestschweiz» erklärt. Nachdem am Sonntag erste Ergebnisse der Datenleck-Auswertungen veröffentlicht worden waren, scheint deutlich, dass so manche Spur in die Schweiz fürt. Die Finma sagt jedoch: «Wir haben inhaltlich keinen Kommentar.»

Die Finma erklärt aber auch: «Inwiefern auch Schweizer Banken die Dienstleistungen dieser offenbar weltweit vernetzten Anwaltskanzlei benutzt und dabei Schweizer Bestimmungen verletzt haben, werden wir abklären.»

Ganz generell seien der Umgang mit Risiken im grenzüberschreitenden Geschäft sowie die Einhaltung der Geldwäschereibestimmungen Schwerpunkte ihrer Aufsichtstätigkeit. Briefkastenfirmen seinen ein bekannter Risikofaktor.

Der Fokus der Finma-Arbeit liege darauf, dass «die Banken einen angemessenen präventiven Kontrollprozess einführen und anwenden» würden. «Erkennen wir hier Schwächen, sind diese zu beheben und können ein Enforcement-Verfahren zur Folge haben.»

Ganz generell gelte: Wenn die Finma Hinweise erhält, dass Institute gegen Bestimmungen verstossen würden, griffe sie im Rahmen ihrer Aufsichtstätigkeit ein.

Zu einzelnen Instituten äussert sich die Finma «wie üblich» nicht.

Schweizer Vermittler sind sehr aktiv

Laut dem Internationalen Konsortium Investigativer Journalisten, das die Recherchen koordinierte, befinden sich über 1200 Schweizer Firmen unter den 14'000 Banken, Anwaltsfirmen und anderen Mittelsmännern, die Briefkastenfirmen aufbauen liessen. Nur aus Hongkong und Grossbritannien stammen noch mehr.

Die Schweizer Vermittler gehören auch zu den aktivsten: Rund 34'000 der rund 215'000 Offshore-Gesellschaften wurden aus der Schweiz initiiert - das entspricht rund 16 Prozent. UBS, Credit Suisse (über eine Tochter) und die HSBC Schweiz zählen zudem zu den Banken, die am häufigsten für ihre Kunden Gesellschaftsmäntel registrieren liessen.

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Autor

Andreas Schaffner

Andreas Schaffner

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