Nach dem Mord an einem palästinensischen Teenager nahm die israelische Polizei mehrere jüdische Tatverdächtige fest. Polizeisprecher Mickey Rosenfeld bestätigte am Sonntag, man gehe von einem "nationalistischen Motiv" für die Tat aus. Die Tötung des jungen Arabers sowie zuvor die Verschleppung und Tötung dreier jüdischer Teenager hatte einen der schlimmsten Gewaltausbrüche in Nahost seit Jahren ausgelöst.

Israels Luftwaffe und die im Gazastreifen herrschende Hamas setzten ihren Schlagabtausch am Sonntag trotz ägyptischer Bemühungen um eine Waffenruhe fort. Netanjahu mahnte zu Zurückhaltung im Konflikt mit den Palästinensern.

Israel leitete zudem eine Untersuchung von Vorwürfen ein, Grenzpolizisten hätten einen palästinensischen US-Staatsbürger verprügelt. Das Washingtoner Aussenministerium verlangte am Samstagabend eine rasche Untersuchung des Vorfalls. Israelische Medien zitierten Vertreter der Grenzpolizei mit dem Vorwurf, das Video sei "manipuliert" worden.

Abbas fordert internationale Untersuchung

Bei dem Prügelopfer handelte sich nach den Berichten um den Cousin des 16-jährigen Palästinensers, der am Mittwoch tot aufgefunden worden war. Dieser war nach der Beerdigung der drei getöteten jüdischen Schüler verschleppt worden.

Nach einem vorläufigem Obduktionsbericht ist der 16-Jährige bei lebendigem Leibe verbrannt. In seiner Luftröhre und Lunge seien Spuren von Rauch gefunden worden, teilte der palästinensische Generalstaatsanwalt am Samstag mit. Von israelischer Seite gab es für die Schlussfolgerungen keine Bestätigung.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas forderte am Sonntag in einem Brief an UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon eine internationale Untersuchung der Tötung. Abbas sagte bei einem Treffen mit dem UNO-Gesandten Robert Serry in Ramallah, radikale jüdische Siedlergruppen müssten als Terrororganisationen eingestuft werden.

Israels Polizei teilte zudem zwei Monate nach dem Mord an einer 19-Jährigen im Norden des Landes mit, ein arabischer Taxifahrer sei der Tatverdächtige. Der 34-Jährige aus Iblin östlich von Haifa habe den Mord im Verhör gestanden.

Der Hintergrund sei noch nicht zweifelsfrei geklärt, man gehe jedoch von einem "nationalistischen Motiv" aus. Ein Kommentator des israelischen Radios sagte, die Polizei habe am Sonntag eine Nachrichtensperre zu dem Fall aufgehoben, um damit den Mordfall des jugendlichen Palästinensers "auszubalancieren".

Raketen auf Israel, Bomben auf Gaza

Erstmals seit dem letzten grossen Schlagabtausch zwischen Hamas und Israel im November 2012 wurde am Samstagabend wieder die israelische Wüstenstadt Beerscheva beschossen. Auch nach Ablauf eines israelischen Ultimatums am Samstag feuerten militante Palästinenser weiter Raketen auf israelische Ortschaften. Am Sonntag gab es ebenfalls Geschosse.

Israels Luftwaffe griff als Reaktion auf den Beschuss in der Nacht zum Sonntag erneut Hamas-Ziele im Gazastreifen an. Beide Seiten betonen allerdings, sie seien nicht an einer weiteren Eskalation der Lage interessiert. Nach Medienberichten vermittelt der ägyptische Geheimdienst im Bemühen um eine Wiederherstellung der Ruhe zwischen beiden Seiten.

An mehreren Brennpunkten in Israel kam es zu Ausschreitungen wütender arabischer Bürger. In arabischen Ortschaften im Norden Israels, darunter Nazareth, bewarfen Demonstranten Polizisten mit Steinen und Brandflaschen. Sie versuchten, Strassen zu blockieren und es gab Berichte über Angriffe auf jüdische Autofahrer.

Sorge vor Aufstand

Die jüngste Welle der Gewalt nährt die Sorge vor einem neuen Palästinenseraufstand. "Die Erfahrung lehrt, dass man in solchen Momenten mit Selbstkontrolle und Verantwortung vorgehen muss, ohne Hetze und übertriebene Hast", sagte Netanjahu am Sonntag bei einer Regierungssitzung in Jerusalem zu der Lage in der Region.

Netanjahu rief arabische Würdenträger dazu auf, sich für eine Mässigung einzusetzen. "Wer gegen das Gesetz verstösst, wird festgenommen und hart bestraft", drohte Netanjahu gleichzeitig.