Nach dem Massaker in Texas diskutiert Amerika wieder über Waffengewalt. Ohne zynisch sein zu wollen: Der Ausgang dieser Debatte steht bereits fest und daran ändert selbst die furchtbare Tatsache nichts, dass am Sonntag auch zwölf Kinder ermordet wurden. In einem Gotteshaus! Demokraten werden erfolglos fordern, Waffen-Geschäfte stärker zu regulieren, während sich Republikaner auf den Standpunkt stellen, dass rechtschaffene Bürger nicht für Untaten von Kriminellen bestraft werden sollen. Schliesslich ist das Recht auf individuellen Waffenbesitz in der amerikanischen Verfassung festgeschrieben. Am Ende wird alles bleiben, wie es ist – bis zum nächsten Massaker.

Vielleicht ist deshalb nun der Zeitpunkt gekommen, die Diskussion über solch abscheuliche Bluttaten in eine neue Richtung zu steuern. Den Anstoss dazu könnte ausgerechnet Präsident Donald Trump geben. In einer ersten Stellungnahme sagte der Republikaner, der sich derzeit auf einer ausgedehnten Asien-Reise befindet: Das Massaker sei mit einer «psychischen Störung» des Täters erklärbar und nicht mit dem liberalen Waffenrecht in weiten Teilen des Landes.

Was wäre, wenn Trump recht hat oder zumindest auf der richtigen Fährte ist? Was ist, wenn Amerika in der Tat darunter leidet, dass immer mehr Menschen mit dem Alltag nicht mehr zurechtkommen? Statt Konflikte friedlich auszutragen, wie es uns bereits im Kindergarten beigebracht wurde, greifen diese Menschen zu Waffen, um Probleme im Privatleben und bei der Arbeit zu lösen. Die Waffe wäre demnach nur ein Instrument und nicht die Triebfeder für die Gewalt in den USA, die das Land immer wieder erschüttert. Und eine Debatte um die Verschärfung des Waffenrechts reine Zeitverschwendung.

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