Einen Tag nach dem Bombenanschlag auf eine Londoner U-Bahn mit 30 Verletzten hat die Polizei einen Terrorverdächtigen festgenommen und eine Wohnung durchsucht. Das teilte Scotland Yard am Samstag mit. Nach dem Anschlag vom Freitag war eine Grossfahndung eingeleitet worden.

Am Samstagnachmittag in der britischen Hauptstadt offenbar erneut zu einem Zwischenfall gekommen. Gemäss Medienberichten wurde der Bahnhof Fulham Broadway Station nach einem Alarm evakuiert. Die District Line, die die Haltestelle bedient, bestätigte die Meldung auf Twitter. 

Fulham Broadway Station liegt eine Haltestelle von Parsons Green entfernt, wo gestern der Anschlag stattfand, bei dem 30 Personen verletzt wurden.

Die Durchsuchung der Wohnung in Sunbury in der Grafschaft Surrey südwestlich von London stehe im Zusammenhang mit der vorangegangenen Festnahme im Hafenbereich von Dover, hiess es in der Mitteilung. Von dort starten Passagier-Fähren nach Frankreich.

Als Vorsichtsmassnahme seien mehrere angrenzende Wohnungen evakuiert worden. Der Bereich sei weiträumig abgeriegelt worden.

Bilder des terroristischen Anschlags in einer Londoner U-Bahn: 

Die britische Innenministerin Amber Rudd bezeichnete die Festnahme vom Samstagmorgen in Dover als "sehr bedeutend". Die Ermittlungen dauerten aber an, sagte sie nach einer Sitzung des nationalen Sicherheitskomitees.

Grossaufgebot des Militärs

Für Grossbritannien gelte weiterhin die höchste Terrorwarnstufe. Noch sei es zu früh, um zu sagen, ob die Verantwortlichen für das Attentat den Sicherheitsbehörden bereits bekannt waren, sagte Rudd.

Zur Unterstützung der Polizei wurde ein Grossaufgebot an Soldaten eingesetzt. Das Militär soll an strategisch wichtigen Orten Wachdienste von Polizeibeamten übernehmen, sagte Premierministerin Theresa May in einer Fernsehansprache. Soldaten wurden etwa an Atomkraftwerken und Gebäuden des Verteidigungsministeriums aufgestellt.

Zudem seien in Zügen und auf den Strassen künftig mehr bewaffnete Polizisten zu sehen. "Das ist ein angemessener und vernünftiger Schritt, der für mehr Sicherheit und Schutz sorgen wird, während die Ermittlungen vorankommen", so May. Scotland-Yard-Chefin Cressida Dick rief die Menschen zur Wachsamkeit auf.

Bombe wohl nicht richtig gezündet

Beim Anschlag am Freitag in London war eine selbstgebaute Bombe in einer voll besetzten U-Bahn nahe der oberirdischen Haltestelle Parsons Green explodiert. Durch den Feuerball und anschliessendes Gedränge wurden 30 Menschen verletzt, drei von ihnen waren am Samstag noch im Spital.

Todesopfer waren offenbar auch deshalb nicht zu beklagen, weil der selbst gebastelte Sprengsatz wohl nicht richtig zündete. Aufnahmen vom Tatort zeigten einen leicht verkohlten weissen Plastikeimer, aus dem Drähte ragten und der in einer Supermarkttüte auf dem Boden eines U-Bahn-Waggons stand.

Der BBC zufolge soll es sich bei der Bombe um eine ähnliche Konstruktion gehandelt haben wie beim Attentat in Manchester. Bei dem Anschlag im Mai waren 22 Menschen getötet worden.

IS-Bekenntnis

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag über die ihr nahestehende Propagandaagentur Amak für sich. Belege legte sie dafür aber nicht vor. Die IS-Miliz drohte zudem mit weiteren Anschlägen.

Der oberste britische Terrorismus-Bekämpfer Mark Rowley sagte, es sei üblich, dass sich der IS zu Attentaten bekenne, egal, ob er daran beteiligt sei oder nicht.

Es war bereits der fünfte Anschlag in diesem Jahr in Grossbritannien. Die höchste Terrorwarnstufe war zuletzt im Mai nach einem Anschlag bei einem Popkonzert in Manchester ausgerufen wurden, bei dem 22 Menschen starben.