EZB-Präsident Mario Draghi verkündete genau das, worauf das Gros der Griechen gehofft hatte. Und vor allem: ohne dabei das ewige Euro-Sorgenland als Sonderfall in der Eurozone zu behandeln. Griechenland werde beim Grossankauf von Staatsanleihen mit Blick auf die Hellas-Bonds keine Ausnahme machen, stellte der EZB-Chef klar. Für Griechenland würden «die gleichen Regeln gelten, wie sie bei all den anderen Staatsanleihen der Eurozone Anwendung finden.»

Will heissen: Die EZB kann bis zu einer Obergrenze von 33 Prozent auch griechische Staatsanleihen kaufen, die auf dem sekundären Obligationsmarkt gehandelt werden. Der Kauf der Hellas-Bonds kann allerdings erst im Juli statt im März beginne. Denn der griechische Staat muss zunächst Obligationen bezahlen, die sich noch im Portfolio der EZB befinden. Andernfalls könnte die Obergrenze von 33 Prozent überschritten werden.

Keine Sonderauflagen für Athen

Mit Draghis Bekenntnis zu den Hellas-Bonds haben sich auf einen Schlag griechische Befürchtungen zerstreut, wonach für Griechenland besondere Kriterien gelten sollten. Hintergrund: Athens Staatsanleihen werden auch knapp fünf Jahre nach dem ersten Höhepunkt der Griechenland-Krise im Frühjahr 2010 mit den in der Eurozone mit Abstand höchsten Risikoaufschlägen belegt. Sie haben auf den internationalen Kapitalmärkten Ramsch-Status. Der Zins für Athens zehnjährige Staatsanleihe beläuft sich gegenwärtig auf rund neun Prozent.

Obendrein stehen am Sonntag vorgezogene Parlamentswahlen an. Als unangefochtener Wahlfavorit gilt das «Bündnis der Radikalen Linken» (Syriza) unter Alexis Tsipras, einem bekennenden Gegner des von der Troika aus EU, EZB und Internationalem Währungsfonds verordneten rigiden Austeritätskurses. Im Endspurt vor dem Urnengang war insbesondere aus Kreisen der Regierung unter dem konservativen Premier Antonis Samaras kolportiert worden, Griechenland könne bei Draghis Billionenspritze mit Sonderauflagen belegt werden.

Diese Gefahr drohe nicht zuletzt deswegen, weil angesichts eines möglichen Syriza-Sieges ein «politischer Unsicherheitsfaktor» im Krisenmanagement für Griechenland bestünde, so die Lesart von Samaras und Co. Folglich müssten vor allem unentschlossene Wähler den Regierungsparteien statt Syriza ihre Stimme geben, um mit einem Samaras-Sieg allfällige Turbulenzen zwischen Athen und der EZB im Keim zu ersticken.

Doch das Kalkül von Samaras geht nicht auf. Syriza freute sich jedenfalls prompt über den Entscheid der EZB. «Der heutige EZB-Entscheid straft all diejenigen Lügen, die hierzulande Angst und Panik verbreitet haben. Dies ist eine wichtige Entscheidung, die die kommende griechische Regierung zugunsten des Landes verwerten wird», teilte Syriza gestern in einer offiziellen Pressemitteilung mit.

Ferner griff die Linkspartei Samaras scharf an. «Herr Samaras war gegen die quantitative Lockerung der EZB. Damit stand er an der Seite von Frau Merkel. Herr Samaras hat die Propaganda angeblich drohender Gefahren auf die Spitze getrieben, um so das bevorstehende Wahldebakel für ihn zu mildern. Diese Strategie ist gescheitert. Das griechische Volk schreitet voran, Europa schreitet voran», hiess es dazu weiter.

Kreditvolumen gesunken

Die Anti-Krisen-Massnahme der EZB haben nicht zuletzt die Griechen bitter nötig. Denn die Kreditvergabe der Geschäftsbanken ist weiter rückläufig. Das Volumen aller Kredite an Unternehmen und Privathaushalte sank per Ende November 2014 auf insgesamt 212,418 Milliarden Euro. Dies ist ein Rückgang um 42,5 Milliarden seit dem Allzeithoch im Februar 2010. Überdies steckt Griechenland seit 22 Monaten in Folge in einer Deflation. Immerhin: Die Athener Aktienbörse schloss gestern um 1,14 Prozent höher als am Vortag.