Mit fast 8200 Kilogramm Sprengstoff ist die 2003 erstmals getestete "Superbombe" der grösste konventionelle Sprengkörper der US-Streitkräfte. Die nun in Afghanistan eingesetzte Bombe GBU-43 - auch bekannt als MOAB (Massive Ordnance Air Blast) - übertrifft in ihrer verheerenden Wirkung bei weitem die BLU-82 "Daisy Cutter" ("Gänseblümchenschneider"), die eine Sprengkraft von etwa 5700 Kilogramm hat.

Die MOAB, nach ihrem Kürzel auch "Mother of all Bombs" ("Mutter aller Bomben") genannt, wurde für den Einsatz gegen grosse Truppenansammlungen und Bunkeranlagen entwickelt. Sie gilt wegen ihrer schieren Grösse und der enormen Druckwelle vor allem als Mittel der psychologischen Kriegsführung.

9500-Kilo-Brocken

Die mit ihrer Hülle insgesamt 9500 Kilo schwere Bombe wird aus grosser Höhe von einem Flugzeug abgeworfen. Während die "Daisy Cutter" an einem Fallschirm hinunterschwebt, wird die MOAB von Satelliten ins Ziel gesteuert, wo sie eine Fläche von mehreren Fussballfeldern verwüsten kann.

Wie bei der bereits in Vietnam und in Afghanistan eingesetzen "Daisy Cutter" beruht die Wirkung darauf, dass die Explosion des Sprengstoffs eine gewaltige Druckwelle erzeugt.

Video veröffentlicht

Inzwischen haben die USA Videomaterial des Angriffs publik gemacht:

Mit dem Einsatz der MOAB hat die US-Armee mindestens 36 IS-Kämpfer getötet. Eingesetzt wurde sie im Achin-Distrikt in der Provinz Nangarhar. Dort war am vergangenen Wochenende ein US-Soldat im Einsatz gegen die Dschihadisten getötet worden.

Dokumentation über die «GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast» – oder kurz MOAB.

Dokumentation über die «GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast» – oder kurz MOAB.

Trump lobt Einsatz

Präsident Donald Trump lobte den Einsatz. "Wir sind sehr stolz auf unser Militär. Es war ein weiterer Erfolg", sagte er in Washington. Ob er den Einsatz persönlich genehmigt hatte, bestätigte er nicht. "Jeder weiss genau, was passiert. Also, ich autorisiere unser Militär. Wir haben ihnen volle Befugnis gegeben, und das ist, was sie machen."

Der Sprecher des Weissen Hauses, Sean Spicer, wollte sich ebenfalls nicht dazu äussern, ob Trump den Abwurf persönlich angeordnet hatte.

Auf Fragen, ob der Einsatz der Bombe auch als Warnung an Nordkorea gedacht sei, antwortete Trump, dies mache keinen Unterschied. "Ich weiss nicht, ob das eine Botschaft sendet. Es ist auch egal, ob es das tut oder nicht. Nordkorea ist ein Problem. Das Problem wird gelöst werden."

Zivilisten weggebracht

"Ich habe noch nie im Leben einen solchen Knall gehört", sagte Malik Mohammed, ein Stammesältester in Achin der Nachrichtenagentur dpa. Selbst sieben Kilometer von der Abwurfstelle entfernt sei noch Glas zerborsten.

In der Nähe des IS-Höhlenkomplexes hätten sich kaum noch Zivilisten aufgehalten, berichteten andere Älteste. Afghanische Truppen hätten am Donnerstagnachmittag noch verbliebene Anwohner weggebracht. Auch die Stammesältesten bestätigten, es gebe keine Informationen über zivile Opfer.

Afghanistans ehemaliger Staatschef Hamid Karsai verurteilte den Angriff. Sein Land werde als Testgebiet für neue Waffen missbraucht, schrieb er auf Twitter.

Bombe noch nie eingesetzt

Die GBU-43 wurde nach ihrer Entwicklung 2003 bisher nach US-Medienberichten noch nie bei tatsächlichen Kampfhandlungen eingesetzt. Ihre militärische Bedeutung ist umstritten, sie gilt wegen ihrer schieren Grösse und der enormen Druckwelle vor allem als Mittel der psychologischen Kriegsführung. Nur Russland verfügt über eine noch grössere Bombe.

Die Rebellen verstärkten derzeit ihre Verteidigungslinien mit improvisierten Sprengkörpern, Tunnels und Bunkern, hiess es in einer Mitteilung der NATO-Streitkräfte in Afghanistan. "Dies ist die richtige Munition, um diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen und das Momentum unserer Offensive gegen den IS zu erhalten", so der Kommandant der US-Truppen in Afghanistan, General John Nicholson.