Die Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft sagte am Dienstag in Budapest, Csatary habe nicht an der Deportation von etwa 300 Menschen in das ukrainische Ghetto Kamjanez-Podilskyj beteiligt gewesen sein können, da er zu diesem Zeitpunkt nicht vor Ort gewesen sei. Zudem habe er keine Position innegehabt, die es ihm ermöglicht hätte, über Deportationen zu entscheiden.

Dieser Vorwurf des Simon-Wiesenthal-Zentrums sei den eigenen Ermittlungen zufolge "unbegründet", sagte die Sprecherin. Allerdings würden die Ermittlungen wegen der Deportationen von Kosice im Jahr 1944 fortgesetzt.

Die Klagen wegen der Deportationen von Kamjanez-Podilskyj und Kosice waren den Angaben zufolge vom Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums, Efraim Zuroff, eingereicht worden.

Der heute 97-jährige Ungar Csatary soll zwischen 1941 und 1944 massgeblich daran mitgewirkt haben, dass 15'700 Juden aus dem Ghetto Kosice ins Vernichtungslager Auschwitz geschickt wurden. Nach dem Krieg wurde er 1948 in Kosice, das heute in der Slowakei liegt, in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Csatary hatte jahrzehntelang unter falschem Namen in Kanada gelebt. Als die Behörden seine wahre Identität herausfanden, flüchtete er 1995 nach Ungarn. Im Herbst 2011 machte dann das Simon-Wiesenthal-Zentrum, das sich der Aufklärung über dem Holocaust widmet, die ungarischen Behörden auf den mutmasslichen Aufenthaltsort Csatarys aufmerksam.

Am 18. Juli wurde er schliesslich festgenommen und kurz darauf in Budapest unter Hausarrest gestellt. Csataray steht an oberster Stelle der Liste der meistgesuchten NS-Kriegsverbrecher des Wiesenthal-Zentrums.