Es war das erste Mal überhaupt, dass die als gemässigt geltende Moschee-Leitung zu einer solchen Kundgebung aufgerufen hatte. Nicht einmal nach 9/11 war es dazu gekommen. «Wir Muslime sagen: Schluss mit der Barbarei!» rief Moschee-Rektor Dalil Boubakeur vor dem Eingangsportal des Gebetshauses.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo begrüsste in ihrer Rede, dass der «tolerante und offene» Islam Frankreichs «nichts mit Mördern ohne Gesetz und ohne Glauben zu tun» habe.

Nicht überall stiess die Demonstration auf Zustimmung. Das «Kollektiv gegen Islamophobie in Frankreich» (Ccif) sah von einer Beteiligung ab und begründete dies in einem Communiqué: «Wir verweigern uns den systematischen Klagen gegen Personen islamischen Glaubens, welche die ersten Opfer barbarischer Akte in der Welt sind.»

Aber auch die frühere Justizministerin Rachida Dati sprach sich am Radio gegen die Demo aus. «Vermengen wir nicht Islam und Islamismus, wie das ein Teil der politischen Klasse tut», sagte die aus Marokko und Algerien stammende Ex-Starministerin von Nicolas Sarkozy.

Glaube ist Privatsache

Aus ihrer Wortmeldung ging auch hervor, warum die Frage in Frankreich besonders heikel ist: «Wenn uns immer gesagt wird, dass der Glaube eine Frage der Privatsphäre sei, warum verlangt man dann von uns Muslimen jetzt, wir sollen als solche auf die Strasse gehen, um gegen die Barbarei zu kämpfen?»

Im laizistischen Frankreich wird die Frage der Glaubenszugehörigkeit wie der Hautfarbe konsequent aus dem öffentlichen Diskurs verbannt; daher sind ethnische oder religiöse Statistiken sogar ausdrücklich verboten.

Viele junge Franzosen, die mit ihren aus Nordafrika immigrierten Eltern in den Vorstädten leben, verstehen deshalb nicht, warum sie sich plötzlich von Terroristen in anderen Ländern und Kontinenten distanzieren sollen, nur weil sich diese auf den gleichen Glauben berufen.