Vulgäres Video

«Muschi-Grapscher» nach Skandalvideo in Not – erste Republikaner lassen Trump fallen

Der nächste politische Fehltritt

Der nächste politische Fehltritt

Vom umstrittenen US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump ist ein Video aufgetaucht, in dem er sich abschätzig gegenüber Frauen äussert.

Einen Monat vor der Wahl und kurz vor der nächsten TV-Debatte mit seiner Rivalin Hillary Clinton ist Donald Trump durch ein Skandalvideo unter massiven Druck geraten. Darin äussert er sich vulgär über Frauen und brüstet sich mit sexuellen Übergriffen.

Das vor mehr als zehn Jahren aufgezeichnete Video schlug so hohe Wellen, dass sich der Republikaner mitten in der Nacht zum Samstag zu einer öffentlichen Entschuldigung gezwungen sah.

Video von Donald Trump mit vulgären Äusserungen

Aufnahme von Donald Trump

Auch führende Politiker der republikanischen Partei distanzierten sich. Es wurden sogar vereinzelt Rufe nach seinem Rückzug von der Kandidatur laut.

Der mächtige Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan, blies einen für Samstag geplanten gemeinsamen Auftritt mit dem Multimilliardär ab. US-Medien sprachen von einer "Bombenexplosion" im Wahlkampf, von der sichTrump möglicherweise nicht mehr erholen könne.

Entschuldigung und Gegenangriff

"Ich habe es gesagt. Es war falsch. Ich entschuldige mich", sagte Trump in einer aufgezeichneten Botschaft, die seine Wahlkampfzentrale in der Nacht zum Samstag öffentlich machte. Zugleich ging er jedoch zum Angriff über, brachte frühere Frauenaffären von Ex-Präsident Bill Clinton ins Spiel und warf Hillary Clinton vor, die "Opfer" ihres Mannes angegriffen, beleidigt und eingeschüchtert zu haben.

Trump sagt auch, er sehe keinerlei Veranlassung, sich aus dem Rennen um die US-Präsidentschaft zu verabschieden. Es gebe "null Chancen, dass ich aufgebe", sagte er dem "Wall Street Journal".

Das am Freitag von der "Washington Post" veröffentlichte Skandalvideo stammt aus dem Jahr 2005: Darin ist zu hören, wie der damals bereits mit seiner jetzigen Frau Melania verheiratete Trump in drastischen Worten seinen Versuch beschreibt, eine andere Frau zu verführen.

"Ich habe mich an sie rangemacht, bin aber gescheitert", sagt er. Er habe versucht, "sie zu ficken. Sie war verheiratet." Er habe sich hemmungslos ("like a bitch") an sie rangemacht, aber ohne Erfolg. Inzwischen habe die - nicht näher identifizierte - Frau "ihr Aussehen total verändert". Trumps Beschreibung: "Sie hat jetzt grosse künstliche Titten und alles."

Der Immobilienmogul fährt dann fort, dass er sich "automatisch" zu schönen Frauen hingezogen fühle. "Ich fange einfach an, sie zu küssen (...). Ich warte nicht einmal. Und wenn du ein Star bist, dann lassen sie es zu. Du kannst alles machen." Er könne sogar Frauen zwischen die Beine greifen (und sie liessen es geschehen).

Auszüge aus Privatgespräch

Die Aufzeichnungen sind Auszüge eines Privatgesprächs Trumps mit dem damaligen Moderator der Infotainment-Fernsehsendung "Access Hollywood", Billy Bush.

In einer ersten schriftlichen Reaktion kurz nach der Veröffentlichung sprach Trump am Freitag von Bemerkungen, wie sie Männer in Umkleideräumen machen würden. Bill Clinton habe bei gemeinsamen Ausflügen mit ihm auf dem Golfplatz weit schlimmere Worte fallen lassen. Er entschuldige sich aber, wenn er jemanden beleidigt haben sollte.

Hillary Clinton selbst nannte Trumps damalige Bemerkungen "schrecklich" und appellierte an die Wählerschaft: "Wir dürfen es nicht zulassen, dass dieser Mann Präsident wird."

Ryan: "Mir wird übel"

Auch der republikanische Vizepräsidentschaftskandidat Mike Pence sagte: "Als Ehemann und Vater war ich empört über die Worte und von Donald Trump beschriebenen Handlungen." Er billige Trumps Äusserungen nicht und könne sie nicht verteidigen. Der erzkonservative Gouverneur des Bundesstaats Indiana ist ein evangelikaler Christ, der beispielsweise gegen die Homo-Ehe und das Recht auf Abtreibung eintritt.

Abgeordnetenhaus-Chef Ryan sagte, Trumps Äusserungen auf dem Video hätten bei ihm Übelkeit erzeugt. "Ich hoffe, dass Herr Trump die Situation mit dem Ernst behandelt, die sie erfordert, und dass er daran arbeitet, dem Land zu demonstrieren, dass er grösseren Respekt vor Frauen hat als es dieser (Video-)Clip zeigt."

Clinton und Trump treffen am Sonntagabend (Ortszeit/0300 MESZ Montag) in St. Louis zu ihrer zweiten Fernsehdebatte zusammen. Die erste Debatte Ende September hatte die Demokratin nach unabhängigen Einschätzungen klar gewonnen.

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