Kunstfund

Münchner Kunstfund noch grösser als angenommen

Das Gemälde "Sitzende Frau" von Henri Matisse gehört zu den 1400 Bildern, die Cornelius Gurlitt in München hortete: Anne Sinclair, Enkelin des Kunsthändlers Paul Rosenberg, erhebt Anspruch darauf.

Kunstfund in München

Das Gemälde "Sitzende Frau" von Henri Matisse gehört zu den 1400 Bildern, die Cornelius Gurlitt in München hortete: Anne Sinclair, Enkelin des Kunsthändlers Paul Rosenberg, erhebt Anspruch darauf.

Der in München entdeckte Kunstschatz ist möglicherweise grösser als bisher angenommen. Ein Teil der Kunstwerke, die am Wochenende bei Stuttgart in Sicherheit gebracht worden waren, sollen im Zusammenhang mit dem Münchner Fund stehen.

Die 22 wertvollen Kunstwerke werden nach Auskunft des Landeskriminalamtes vom Montag nun geprüft, auch mit Hilfe von Kunsthistorikern. Bei einigen der Objekte soll es nach Angaben des Schwagers von Cornelius Gurlitt, der sie in seiner Wohnung in Kornwestheim bei Stuttgart verwahrt hatte, einen Zusammenhang mit den in München gefundenen Werken geben.

Die Kunstwerke - überwiegend wertvolle Gemälde - waren am Samstag von der Polizei abgeholt und an einen unbekannten Ort gebracht worden. Den Ermittlern liegen keine Anhaltspunkte für strafbares Verhalten vor.

Vor kurzem war bekanntgeworden, dass Kunsthändler-Sohn Gurlitt 1406 Werke jahrelang in einer Wohnung in München aufbewahrt hatte. Nach Medienberichten geht der Zoll davon aus, dass ihm ein Grossteil des verlorengeglaubten Kunstschatzes rechtmässig gehört.

Druck für Öffnung der Gurlitt-Sammlung

Zwei Wochen nach der spektakulären Entdeckung rätselt die Öffentlichkeit jedoch noch immer über die Einzelheiten. Und die Forderungen nach einem offenen Umgang mit den Bildern werden immer lauter.

Der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle (FDP) warnte am Montag vor einem Schaden für Deutschlands Ansehen. "Wir sollten die Sensibilität des Themas in der Welt nicht unterschätzen", sagte Westerwelle. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht Vertrauen verspielen, das in langen Jahrzehnten aufgebaut wurde. Das Gebot der Stunde ist jetzt Transparenz."

Regierungssprecher Steffen Seibert stellte eine Veröffentlichung einer Liste von Werken aus Gurlitts Bestand mit unklarer Erwerbsgeschichte in Aussicht. "Wir wollen das vorantreiben, und wir werden noch in dieser Woche weitere Einzelheiten zum Prozedere bekanntgeben können", sagte Seibert in Berlin.

In Gurlitts Münchener Wohnung waren rund 1400 vielfach verschollen geglaubte Werke gefunden worden. Eine öffentliche Auflistung könnte Klarheit darüber schaffen, ob einzelne Werke von den Nationalsozialisten geraubt oder verfolgten Juden zu Spottpreisen abgehandelt wurden.

Bilder öffentlich machen

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC), Ronald S. Lauder, forderte die deutsche Regierung auf, "die Bilder sichtbar zu machen". In der "Welt" verlangte Lauder, "die Polizei und die Politik müssen sofort eine Inventur machen und den gesamten Fundus ins Internet stellen. Jeder hat dann die Möglichkeit zu sehen, was vorhanden ist."

Der frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann verlangte, alle Werke auf der Website www.lostart.de ins Internet zu stellen. Zudem müsse die Herkunftsforschung professionalisiert werden, forderte er im "Art"-Magazin.

Auch der deutsche Vertreter der Jewish Claims Conference, Rüdiger Mahlo, forderte eine sofortige Offenlegung. "Angesichts der vielen Fragezeichen kann das Gebot der Stunde nur lauten: Umgehend grösstmögliche Transparenz schaffen", sagte Mahlo dem Magazin. So könnten mögliche Anspruchsberechtigte auch einen aktiven Beitrag zur Klärung der Herkunft von Bildern leisten.

Die Augsburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Gurlitt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und Unterschlagung. Im Februar 2012 hatte sie in seiner Wohnung in München-Schwabing die Bilder beschlagnahmt, was erst vergangene Woche bekannt wurde. (sda)

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