UNO-Bericht

Mittelmeerkrimi: Private Angriffstrupps sollten Erdogans Schiffe stoppen – doch dann kam alles anders

Chaos herrscht im Bürgerkriegsland Libyen – nicht erst, seit die Geheimoperation «Projekt Opus» aufgeflogen ist.

Chaos herrscht im Bürgerkriegsland Libyen – nicht erst, seit die Geheimoperation «Projekt Opus» aufgeflogen ist.

Ein Bericht der UNO bringt Licht in das geheime «Projekt Opus». Doch vieles bleibt rätselhaft.

(dpa) Der verworrene Konflikt in Libyen ist längst zu einem Stellvertreterkrieg einer Reihe einflussreicher Länder geworden. Eine von UNO-Experten enttarnte Geheimmission privater westlicher Einsatzkräfte – gelenkt aus den Vereinigten Arabischen Emiraten – verdeutlicht nun, wie das Land immer mehr zum Spielball im globalen Machtkampf wird. Die Deutsche Presse-­Agentur (dpa) konnte einen vertraulichen Bericht der Vereinten Nationen einsehen, der aufzeigt, wie Sicherheitsfirmen libysche Warlords unterstützen und Überfälle auf türkische Schiffe im Mittelmeer vorbereiten.

Ende Juni 2019 stiegen dem Bericht zufolge mindestens 20 Personen – unter anderen Briten, Franzosen und Amerikaner – im jordanischen Amman in eine Frachtmaschine. Offiziell sind sie im Auftrag der Wissenschaft unterwegs und sollen in Libyen «geophysikalische Untersuchungen» ausführen. Das ist reine Vertuschung. Die vermeintlichen Wissenschafter sind Mitglieder privater Militärfirmen, ihr Plan ist weit weniger friedlich.

450'000 Euro Miete für zwei Schlauchboote

Ihr Ziel ist Bengasi, die Hochburg des mächtigen Generals Chalifa Haftar, der vor mehr als einem Jahr eine Offensive auf die Hauptstadt Tripolis gestartet hat und dort die international anerkannte Regierung des Landes stürzen will. Zu seinen Verbündeten zählen die Vereinigten Arabischen Emirate, Russland, Frankreich und Ägypten.

Doch der Marsch Haftars auf Tripolis blieb stecken, nicht zuletzt wegen der ausländischen Unterstützung für die Einheitsregierung: Regierungschef Fajis al-Sarradsch hat Italien, Katar und die Türkei auf seiner Seite. Die Türken haben ihm trotz des UNO-Embargos mehrfach Waffen geliefert.

Hier kommen die eingeflogenen Einsatzkräfte ins Spiel. Sie sollen im Rahmen des «Projekts Opus» den Waffennachschub aus der Türkei abfangen. Das belegt eine Unterhaltung Beteiligter: In ihr heisst es, die Aufgabe der Truppe sei es, «feindliche Versorgungsschiffe zu betreten und zu durchsuchen». Auch von einer «maritimen Angriffsgruppe» ist die Rede.

Die Planung und die Beschaffung des Materials für die geheime Operation wurde von Firmen mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgeführt – namentlich Lancaster6 und Opus Capital Asset. In Malta etwa mietete Opus Capital Asset zwei Militärschlauchboote für einen Tagessatz von 5000 Euro für insgesamt 90 Tage. Sie sollten mit Maschinengewehren bestückt werden.

Abbruch der Aktion gibt bis heute Rätsel auf

Alles war vorbereitet, als die Einsatzkräfte Ende Juni mit der Frachtmaschine in Bengasi landeten. Im Süden der Stadt sind sie laut dem UNO-Bericht in einer grosszügigen Wohnanlage untergekommen, beschützt von einer örtlichen Miliz. Doch keine Woche nach ihrer Ankunft brach ihr Anführer die Operation plötzlich ab. Noch am Abend bestieg die Gruppe die beiden Schlauchboote im Hafen von Bengasi und setzte in einer 15-stündigen Fahrt über das Mittelmeer nach Malta über. Die Hintergründe für den plötzlichen Abbruch des «Projekts Opus» sind für die UNO-Experten rätselhaft. Offen lässt der Bericht auch, wer letztlich verantwortlich für das «Projekt Opus» war. Die UNO-Mission der Vereinigten Arabischen Emirate liess ein Mail mit Bitte um Stellungnahme zunächst unbeantwortet.

Geplant und durchgeführt wurde die Operation laut Bericht in mindestens acht Ländern: den Emiraten, ­Jordanien, Malta, Libyen, Angola, Botswana, Südafrika und den USA. Daran seien mindestens zehn Unternehmen aus drei Ländern – den Emiraten, den Britischen Jungferninseln und Malta – beteiligt gewesen. Eine weitere Firma in Südafrika soll unter anderem die Identität der Drahtzieher verschleiert haben.

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