Simbabwe

Mit 15 Koffern in der First Class Lounge: die Eskapaden von Diktatoren-Lady «Gucci Grace»

Robert Mugabe hat seine Frau Grace als Nachfolgerin aufgebaut. Die First Lady Simbabwes gilt als shopping-wütige Powerfrau. (Archiv)

Robert Mugabe hat seine Frau Grace als Nachfolgerin aufgebaut. Die First Lady Simbabwes gilt als shopping-wütige Powerfrau. (Archiv)

Robert Mugabes zweite Ehefrau Grace sah sich selbst als zukünftige Präsidentin Simbabwes. Für ihre politische Karriere nahm sie alles in Kauf. Ihr Volk

Grace Mugabe ist weg. Die First Lady Simbabwes hat das Land nach der Machtübernahme der Generäle am Mittwoch in Richtung Namibia verlassen und sich in Sicherheit gebracht. Ihre Flucht ist ein klares Indiz dafür, dass Simbabwe vor dem grössten Umbruch seit der Erklärung seiner Unabhängigkeit 1980 steht.

Für die 52-jährige Gattin von Noch-Machthaber Robert Mugabe kommt dieser Umbruch überraschend. Denn geplant war alles ganz anders: Grace kündete bereits vor drei Jahren an, dass sie 2018 als Präsidentschaftskandidatin ins Rennen steigen werde. Der Segen ihres greisen Gatten war ihr sicher. Gegen mögliche Kontrahenten ging sie gnadenlos vor. 2014 brachte sie ihren Ehemann dazu, die damalige Vizepräsidentin Joice Mujuru zu entlassen. Erst vergangene Woche schaffte sie das gleiche Kunststück auch mit Mujurus Nachfolger Emmerson Mnangagwa. Damit schienen alle ernstzunehmenden Hürden genommen, die ihr auf dem Weg ins Präsidialamt in die Quere hätten kommen können.

Den 14 Millionen Einwohnern des bitterarmen Landes ersparen sie damit weiteres Leid, der Weltgemeinschaft eine Despotin. Denn Grace Mugabe hatte alle Voraussetzungen, um es dereinst selbst in die «Galerie der Tyrannen» zu schaffen.

Prophetische Doktorarbeit

1996 heiratete die damalige Sekretärin Mugabes ihren Chef. Der Altersunterschied, satte 41 Jahre, gab zu reden. Doch laute Kritik getraute sich zuerst niemand zu äussern.

Lange dauerte es aber nicht, bis sich Grace den Ruf einer luxussüchtigen Machtspielerin einheimste und dafür mit Übernamen wie «Gucci Grace» und «DisGrace» (übersetzt: Schande) versehen wurde. Sie begleitete ihren Mann an internationale Gipfel und gab regelmässig riesige Summen auf Shoppingtouren aus: Beim UN-Ernährungsgipfel in Rom sollen es vor ein paar Jahren 80'000 Dollar gewesen sein. In Singapur wurde sie nach einem Besuch ihres Mannes, der sich dort wegen seines Prostata-Krebses behandeln liess, mit 15 Rollkoffern in der First Class Lounge fotografiert. Und 2012 liess sie im Norden der Hauptstadt Harare mehr als 300 Familien von ihren Ländereien vertreiben, um sich ein Luxusanwesen bauen zu können. Das ist nicht eben vorbildlich, zumal in einem Land, in dem 90 Prozent der Menschen keine feste Arbeit haben und mehr als zwei Drittel unter der Armutsgrenze leben.

Zu reden gab auch die Doktorwürde, die Grace Mugabe 2014 von der University of Zimbabwe erhielt. Rektor der Uni: ihr Mann Robert. Titel ihrer in weniger als drei Monaten abgeschlossenen Doktorarbeit: «Wandel sozialer Strukturen und Funktion der Familie». Im Nachhinein wirkt das fast prophetisch. Die Strukturen Simbabwes wandeln sich tatsächlich. Und die Familie Mugabe verliert ihre Funktion als selbsterhaltende Machtmaschine. Grace Mugabe, so scheint es, hat das akribisch geplante Machtspiel verloren.

Lesen Sie auch:

Bilder des Putschs:

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1