Kommentar

Ministerpräsident Mariano Rajoy ist der Separatist

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy.

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy.

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy tat in den vergangenen Tagen alles, um die Unabhängigkeit Kataloniens zu befeuern. Der Kommentar.

Wenn es ein Handbuch gäbe, wie man die Abspaltung einer Region aus einem Zentralstaat provoziert, stünde der Autor fest. Es wäre der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy. Er tat in den vergangenen Tagen alles, um die Unabhängigkeit Kataloniens zu befeuern. Die berüchtigte Militärpolizei Guardia Civil schlug Scheiben von Schulhäusern ein und prügelte auf Senioren ein, die an einer Abstimmung teilnehmen wollten. Die spanische Justiz liess Webseiten mit Informationen zum Referendum sperren.

Mag sein, dass die Polizisten aufgrund von Gerichtsentscheiden handelten. Rajoy kann sich trotzdem nicht aus der Verantwortung stehlen. Denn es war seine konservative Volkspartei Partido Popular, die im Jahr 2006 gegen das Autonomiestatut der Katalanen klagte und damit auf dem Latrinenweg den mühsam erkämpften Konsens zwischen den Parlamenten in Madrid und Barcelona zerstörte. Man könnte an dieser Stelle Rajoy nun Schweizer Methoden wie Konkordanz oder gelebte Mehrsprachigkeit empfehlen.

Tatsächlich ist die Schweiz, die gerade einen Tessiner in den Bundesrat gewählt hat, hier in Katalonien das Sehnsuchtsland schlechthin. Doch der gute Rat würde nichts nützen. Denn Ministerpräsident Rajoy geht nicht aus Unwissen mit harter Hand gegen die Katalanen vor. Sein Vorgehen gegen heimatmüde Katalanen, Basken und Galizier ist Teil seiner Wählermobilisierung. Er profitiert von dem Schaden, den er anrichtet, und wird darum so schnell nicht damit aufhören. Den Katalanen ist zu wünschen, dass sie sich aus diesem Schlamassel befreien können.

pascal.ritter@azmedien.ch

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