Ägypten

Mindestens vier Tote bei Angriff auf israelische Botschaft in Kairo

Die Krawalle in Kairo ebben nicht ab

Die Krawalle in Kairo ebben nicht ab

Die schon seit Wochen schwelende Krise zwischen Israel und Ägypten hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Am Samstag verliess der israelische Botschafter das Nachbarland, nachdem Hunderte aufgebrachte Demonstranten das Botschaftsgebäude in Kairo gestürmt hatten.

Auslöser für die jetzigen Proteste war der Tod von fünf ägyptischen Polizisten, die vor fast einem Monat bei einer Verfolgungsjagd der israelischen Armee an der Grenze beider Länder getötet wurden.

Bei den schweren Ausschreitungen von Freitagnacht wurden nach offiziellen Angaben drei Ägypter getötet, ein weiterer erlag einem Herzinfarkt und über 1000 Menschen wurden verletzt. Unter den Verletzten seien 46 Polizisten und Soldaten, teilte das ägyptische Gesundheitsministerium am Samstag mit.

Botschafter ausgereist

Der israelische Botschafter Yitzhak Levanon, seine Familie und Botschaftsangestellte trafen am Samstag in ihrer Heimat ein. Der israelischen Regierung zufolge blieb aber ein Diplomat in Ägypten, um den diplomatischen Dienst aufrecht zu erhalten.

Einigen Demonstranten gelang es, in die israelische Botschaft einzudringen. Sie warfen tausende Botschaftsdokumente aus den Fenstern des rund 20-stöckigen Gebäudes, wie die amtliche Nachrichtenagentur Mena berichtete. Auch holten sie die israelische Flagge auf dem Dach des Hochhauses ein.

Ägyptische Sondereinheiten mussten sechs Wachleute aus der israelischen Vertretung in Sicherheit bringen. Die restliche Belegschaft mit Botschafter Levanon war bereits zuvor aus dem Gebäude geflohen. Die letzten Demonstrierenden wurden am Samstagmorgen von Sicherheitskräften zurückgedrängt.

Botschafter bald wieder in Kairo?

Das ägyptische Kabinett berief eine Krisensitzung ein. Dabei bot Regierungschef Essam Scharaf seinen Rücktritt an. Der in Ägypten herrschende Militärrat lehnte dies aber ab, wie der arabische Sender Al-Arabija berichtete.

Der ägyptische Informationsminister Osama Haikal kündigte ein hartes Durchgreifen an. Die Behörden würden alle Bestimmungen des seit über 30 Jahren geltenden Ausnahmezustandes anwenden. Dazu gehören willkürliche Festnahmen und Schnellverfahren.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu Netanjahu kündigte an, dass der israelische Botschafter so rasch wie möglich wieder nach Kairo zurückkehren werde.

Gleichzeitig forderte Netanjahu aber Konsequenzen von Ägypten. Mit der Besetzung der Botschaft sei die "Substanz des Friedens mit Israel" verletzt worden. Netanjahu dankte US-Präsident Barack Obama und den ägyptischen Behörden aber auch für ihre Hilfe bei der Rettung der Diplomaten.

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