Allerdings war unklar, was die Explosionen verursachte. Einem Polizeisprecher zufolge waren es drei Minen, die im Bezirk Kart-e Sachi platziert worden waren. Das Verteidigungsministerium hingegen schrieb auf Twitter von Raketenbeschuss.

In dem Viertel im Westen Kabuls liegt der sogenannte Blaue Schrein, eine schiitische Moschee, an der alljährlich Neujahrsfeierlichkeiten stattfinden. Islamisten halten das Fest für einen heidnischen Brauch.

Bisher bekannte sich niemand zu dem Angriff. Im Vorjahr hatte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einen Selbstmordanschlag am Neujahrstag in diesem Viertel für sich reklamiert. Der Attentäter habe Feiernde bei der Moschee angreifen wollen, hiess es damals. Es kamen mindestens 31 Menschen ums Leben.

Afghanistan feiert immer um den 20. März "Nauros", den Beginn des neuen afghanischen Jahres. Unter vielen Afghanen ist es ein sehr beliebtes Familienfest. Sie besuchen sich gegenseitig zu Hause, picknicken in Parks und kommen auf Plätzen vor Moscheen zu Tausenden zusammen für Gebete und Gespräche.

Präsident Ghani in Masar-i-Scharif

Der afghanische Präsident und weitere führende Politiker feiern jährlich in der nördlichen Stadt Masar-i-Scharif. Als sich die Explosion in Kabul ereignete, hatten sich unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen Tausende Menschen in Masar-i-Scharif für die Neujahrsansprache des Präsidenten Aschraf Ghani versammelt.

"Möge dieses Jahr das Jahr des Friedens und der Wahlen sein", sagte Ghani. Am Mittwoch hatte die Unabhängige Wahlkommission die afghanische Präsidentschaftswahl ein zweites Mal, nun auf den 28. September, verschoben. Ghani, der für seine Wiederwahl kandidiert, sagte, er respektiere die Entscheidung der Unabhängigen Wahlkommission. "Eine weitere Verschiebung aber werden wir nicht akzeptieren."

Der Präsident nahm in seiner Ansprache auch indirekt Bezug auf Spannungen zwischen den USA und der Regierung in Kabul. Kabul fühlt sich angesichts der Direktgespräche, die Washington mit hochrangigen Taliban zur politischen Lösung des Konflikts führen, an den Rand gedrängt und von den Verhandlungen ausgeschlossen.

"Wir wollen Frieden, aber wir wollen dauerhaften Frieden und nicht einen, der nach Blut riecht", sagte er. Kabul hatte in den vergangenen Monaten immer betont, ein langfristiger Frieden sei nur möglich, wenn die Regierung einbezogen werde.