IS-Vormarsch

Mindestens 76 Tote bei Anschlag auf Markt in Bagdad

Ein Autobombenanschlag auf einen belebten Markt in Bagdad hinterliess ein Bild der Verwüstung. Bei der Explsosion starben mindestens 76 Menschen.

Ein Autobombenanschlag auf einen belebten Markt in Bagdad hinterliess ein Bild der Verwüstung. Bei der Explsosion starben mindestens 76 Menschen.

Bei einem der blutigsten Bombenanschläge der vergangenen Monate sind in Bagdad am Donnerstag mindestens 76 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden. Ein mit Sprengstoff beladener Kühllaster explodierte auf einem belebten Markt gegen 6 Uhr Ortszeit.

Dies ist eine Stosszeit für Ladeninhaber, die Gemüse für den Tag einkaufen. Der Dschamila-Markt ist einer der grössten Lebensmittel-Märkte in der irakischen Hauptstadt.

Durch die Explosion wurde der Markt verwüstet: Pferde zum Transport der Waren wurden getötet, Autos wurden verbrannt, Produkte lagen verstreut umher. Rettungskräfte bargen am Anschlagsort menschliche Überreste.

Im Explosionstrichter auf dem Markt mischten sich Früchte und Gemüse mit Trümmern, aus denen Rauch aufstieg. Helfer bahnten sich einen Weg durch Blechfetzen, die zuvor Wände und Dächer von Verkaufsständen gebildet hatten.

IS bekennt sich zum Anschlag

Die sunnitische Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu der Tat und erklärte, das Attentat habe sich gegen Soldaten und Milizionäre in dem Viertel gerichtet. Der IS hatte sich bereits in den vergangenen Tagen zu mehreren Anschlägen mit zahlreichen Toten im Irak bekannt.

An der Anschlagsstelle sammelten sich Menschen, die weinten oder die Namen vermisster Verwandter schrien. Andere verfluchten die Regierung.

"Wir machen die Regierung dafür verantwortlich, voll und ganz", sagte der Augenzeuge Ali Ahmed. Zugleich forderte er die Behörden auf, Armee und Schiiten-Milizen in Marsch zu setzen, um Kontrollposten in der Stadt zu errichten.

Premier Abadi unter Druck

Ministerpräsident Haider al-Abadi war im vergangenen Sommer nach dem Kollaps der irakischen Armee ins Amt gekommen, die unter dem Ansturm des IS auf die Grossstadt Mossul zusammenbrach. Seither ist die Führung in Bagdad abhängig von Milizen, um die Hauptstadt zu verteidigen und verlorene Gebiete zurückzuerobern.

Viele der Kampftrupps werden vom Nachbarstaat Iran finanziert und unterstützt. Abadi hat den Irakern tief greifende Reformen versprochen, um Korruption und Vetternwirtschaft in dem Land zu bekämpfen.

Die IS-Miliz hatte im Juni 2014 weite Teile des Irak überrannt. Mit Unterstützung einer von den USA angeführten Militärkoalition sowie des Iran kämpfen die irakischen Streitkräfte darum, die Dschihadisten zurückzudrängen.

Im Irak leben drei grosse Volksgruppen, die Kurden, die sunnitischen Araber und die schiitische Araber. Vor allem Sunniten und Schiiten liefern sich seit Jahren schwere Auseinandersetzungen. Auf dem Höhepunkt der Gewalt in den Jahren 2006 und 2007 gab es zehntausende Opfer.

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